Article written for the magazine of Bonsaiclub Deutschland.
Umgestaltung einer Mädchenkiefer
von Walter Pall
walter-pall.de
Mädchenkiefern sind in Deutschland sehr beliebt, mehr noch als Schwarzkiefern.
Leider sind diese Bäume in Mitteleuropa nicht sehr beständig. Es gibt sehr viele Bonsaienthusiasten, die die Baumart nicht lange halten können. Die Gründe sind unbekannt. Aber es ist Tatsache, dass ein sehr hoher Prozentsatz früher oder später zu schwächeln beginnt. Einige Nadelbüschel werden hell grün statt wie vorher dunkel- bis blaugrün. Dann werden es immer mehr und einige sind dann gelb. Bei den gelben sterben die Nadeln ab und diese Ästchen sind dann tot. Es folgen immer mehr. Der Baum stirbt langsam von unten nach oben. Viele meinen, es handelt sich um eine Pilzerkrankung. Fungizide nützen jedoch leider nicht. Nach spätestens drei Jahren ist der Baum dann endgültig erledigt oder wegen ganz großer Schäden wertlos. Das trifft ganz besonders Sämlinge, also solche Mädchenkiefern, die auf eigenen Füßen stehen. Die meisten importieren Pfropfungen auf Schwarzkiefer sind etwas härter. Trotzdem gibt es einige Gärtner, die über viele Jahre kein Problem mit der Baumart haben. Bei genauem Hinsehen machen die aber auch nichts anderes als der Rest.
Ich selbst habe in ca. dreißig Jahren wohl mehr als zwei Dutzend Mädchenkiefern verloren ohne zu wissen warum. Die Baumart war dann lange Zeit für mich tabu. Eines Tages erhielt ich in einem Großtausch die hier gezeigte Kiefer. Ich fand sie deutlich besser als die allermeisten, die hierzulande zu sehen sind.. Tatsächlich war es ein Baum, der in Italien gegen stärkste Konkurrenz schon viel Preise gewonnen hatte. Der Baum sah auch sehr gesund aus, für eine Mädchenkiefer allemal. Trotzdem hatte ich gemischte Gefühle; ich wollte es jedoch noch einmal wissen.
Der Baum kam im September 2009 zu mir und war überall blaugrün. Er wurde im Freien ohne großen Schutz überwintert, weil ich wusste, dass Mädchenkiefern das sehr gut aushalten, ja geradezu mögen. Ab Anfang April wurde, wie bei allen anderen Bäumen kräftig mineralisch mit hohem Stickstoffanteil gedüngt. Der Baum sprach sehr gut darauf an. Im Mai wurde dann mit einer Hand voll getrocknetem Hühnermist gedüngt. Gegen Ende Mai wurde dann eine Seite das Baumes hell grün. Mir schwante ganz schlimmes. Ähnliches hatte ich bei Zirbelkiefern erlebt, die ja auch fünfnadelig sind, also nahe verwandt mit der Mädchenkiefer. Die Zirbelkiefer hatte ich erfolgreich mit zusätzlichem Spezialdünger behandelt, der sehr viele ganz seltene Mineralien enthielt, die nicht in allen Düngern vorhanden sind. Ein Bonsaifreund gab mir den Tipp, noch zusätzlich mit viel Eisen zu düngen. Ja wie - mit Eisen? Nun, es gibt im Fachhandel ganz dünn gemahlenes Eisenpulver, das speziell für Düngung angeboten wird und gar nicht viel kostet. Mangels genauer Anweisungen streute ich zwei Esslöffel voll auf die Erdoberfläche der Mädchenkiefer und dasselbe auch bei meinen Zirbelkiefern. Das Eisen wurde danach beim Gießen eingewaschen. Tatsächlich - drei Wochen später wurde alles wieder dunkel grün. Seither mache ich das dreimal in jeder Vegetationsperiode und unbedingt eine Woche nach kräftiger organischer Düngung. Dasselbe geschieht bei mir übrigens auch mit allen Azaleen. Auch da mit großem Erfolg.
Meine Theorie: die Bäume wollen kräftig gedüngt werden und lieben organischen Dünger. Um das Düngeangebot auch gut abzuarbeiten, benötigen sie einige oder mehrere der sehr seltenen Mineralien im Boden. In Mitteleuropa fehlt meistens dieser Anteil. Deshalb sterben, ja man kann wirklich sagen, krepieren so viele Mädchenkiefern langsam an Mangelerscheinungen. In einigen Gärten, entweder im Boden oder im Wasser sind diese geforderten Substanzen zufällig enthalten und da gedeihen die Bäume sehr gut, ohne dass der Besitzer eine Ahnung hat warum. Durch zusätzliche Düngung mit seltenen Mineralien und insbesondere Eisen kann man diesen Mangel beheben.Das ist natürlich eine Theorie. Aber nun ist das bei mir schon drei Jahre sehr gut gegangen, was sonst immer, in jedem einzigen Fall, zu schleichendem Tod geführt hat. Da könnte wohl was dran sein.
Zusätzlich zu lebensbedrohenden Mangelerscheinungen scheint mir noch ein anderer Grund für das Schwächeln von Mädchenkiefern vor zu liegen. Wenn sie importiert werden, stehen sie ausnahmslos in reinem Akadama. Das tut ihnen erst einmal gut, birgt aber eine große Gefahr. Das Akadama zerfällt, wenn es nass ist und tiefen Temperaturen ausgesetzt wird. Selbst im Glashaus frieren Wurzelballen bei uns im Winter regelmäßig ein, im Freien sowieso. Dadurch wird nach zwei bis drei Jahren das Akadama ein hartes, dichtes Pulver, das bei Nässe patzig wie Lehm ist und kaum Luft and die Wurzeln lässt. Wenn man die Bäume dann umtopft, ist da ein Wurzelballen, der hart wie Zement ist. Viele trauen sich nicht, den Wurzelballen auf zu brechen und setzen den Baum mit dem fast ganz intakten festen Ballen wieder in die Schale. Das wird dann immer schlimmer und eines Tages ersticken die Wurzeln. Wenn der Baum dann kränkelt, ist jedes Umtopfen mit starker Ballenlockerung gefährlich und kann dem Baum dann den Rest geben. Also wird es unterlassen. Was man dann auch macht, es kann zum Tod führen.
Mein Rezept dagegen ist, es auf keinen Fall so weit kommen zu lassen und so bald wie möglich den Baum aus der Schale zu nehmen und den Wurzelballen vorsichtig auf zu brechen. So viel Akadama wie möglich sollte entfernt werden. Ich würde jedoch auf keinen Fall mit dem scharfen Wasserstrahl arbeiten, sondern bloß mit einem stumpfen Stöckchen oder glattem Metallstift. Dann sollte auf keinen Fall wieder Akadama eingefüllt werden, sondern Substrat, das fest ist und sich nicht zersetzen kann. Das ist dann z.B. Bims, Lavasplit, Blähton und ähnliches. Ich gebe dann 15 bis 20 % groben Torf dazu für Bäume, die eher feuchten Boden wollen, wie die Mädchenkiefer.
Neben der gärtnerischen Herausforderung sind Mädchenkiefern auch künstlerisch anspruchsvoll. Bei den auf Schwarzkiefer stehenden ist oft die Propfstelle problematisch. Der Übergang von Schwarz- zu Mädchenkiefer erfolgt zu abrupt und wirkt unharmonisch. Leider kann man davon ausgehen, dass sich dieser Fehler nicht beheben lässt; im Gegenteil, er wird langsam schlimmer. Deshalb ist es ganz wichtig, bei der Auswahl des Baumes keine Kompromisse ein zu gehen. Die Krone ist regelmäßig traditionell geformt: Alle Äste sind waagrecht, die Etagen wirken wie dichte Wolken, der Aufbau ist regelmäßig nach 'Vorschrift'. Das Ergebnis ist, dass der Baum eben wie ein 'Bonsai' aussieht, also künstlich, im schlimmsten Fall richtiggehend unnatürlich und einer wie der andere. Nun, das ist selbstverständlich Geschmackssache. Wer sich eine solche Mädchenkiefer anschafft, der mag das wohl. Aber man muss es nicht mögen. Es ist durchaus möglich, den Baum zu 'naturalisieren', wie man an meinem Beispiel sieht.
Als ich den Baum erhielt, dachte ich zuerst, ich sollte ihn so lassen wie er war - ein deutlich 'gemachter', künstlicher Baum mit kräftigen pudelartigen Astetagen, die ganz waagrecht standen - künstlich zweifellos, aber trotzdem gut und so typisch traditionell. Allerdings war das überhaupt nicht mein Geschmack. Für mich war das sicher kein Kunstwerk, sondern gutes Handwerk, eher 'konstruiert', stereotyp, einer aus einer Serie von tausenden. Damit wollte ich nicht zufrieden sein. Irgend wann habe ich mich dann entschlossen, die Vorderseite drastisch zu ändern und zu versuchen, die Krone viel natürlicher zu gestalten. Die Äste wurden nach unten gebogen, die wolkenartigen Astetagen aufgelöst und die gesamte Krone durchsichtig gemacht. Das Ziel war es, einen deutlich älter und reifer aussehenden Baum zu erhalten. Der Betrachter mag selbst entscheiden, ob mir das gelungen ist.
Bild 1: 2009-09:Die Mädchenkiefer war einige Jahre im Besitz von Mauro Stemberger in Italien. Dort hat sie einige große Preise gewonnen. Im Rahmen eines Großtausches fand sie im September 2009 den Weg in meinen Garten. Trotz großer Bedenken habe ich noch einmal den Versuch gewagt.
Bild 2: 2009-09: Der Baum hat einem mächtigen Stamm mit charaktervoller Borke, nicht nur im Teil, der von der Schwarzkiefer stammt, sondern auch in den Mädchenkieferästen. Die Krone ist dicht und beeindruckend. Die Pfropfstelle ist nicht sichtbar. Was soll man da noch besser machen, außer den Baum zu säubern?
Bild 3: 2009-09: Säubern ist in der Tat die erste Aktion. Alle alten Nadeln werden sorgfältig entfernt. Bei den größeren Nadelbüscheln wird auch noch etwas von den neuen Nadeln ausgezupft. So sind dann die Büschel alle fast gleich groß. Kleine, abgestorbene Äste und Stummel werden entfernt. Das ist Routinearbeit im Spätsommer. Lena ist ganz glücklich dabei.
Bild 4: 2009-09: Jetzt sieht das schon recht beeindruckend aus. Bei der Bearbeitung hat sich herausgestellt, dass der Jin nicht echt ist, sondern bloß in ein großes Loch wo ein sehr dicker Ast abgeschnitten wurde, eingeklebt. Die Mädchenkiefer wirkt sehr klassisch und ausgewogen, aber nicht langweilig, wie so viele, durch die leicht unregelmäßige Silhouette und die leichte Schräglage des Stammes.
Bild 5: 2009-09: Nun wird der Baum sorgfältig von allen Seiten studiert. Die Verjüngung des Stammes ist sehr gut, das Nebari ist vielleicht etwas zu wenig herausgearbeitet. Der Aufbau der Äste ist auch von der Seite sehr gut. Die Schale ist deutlich zu eng.
Bild 6: 2009-09: Auch von hinten macht die Mädchenkiefer eine gute Figur. Die Etagen sind klassisch horizontal aufgebaut und wirken wie schwebende Wolken. Der Baum ist sehr gesund, was in Europa leider nicht immer der Fall ist bei alten Mädchenkiefern.
Bild 7: 2010-05: Nach langem Betrachten des Baumes scheint nun diese Ansicht deutlich besser zu ein, als die 'richtige' Vorerdseite. Man fragt sich, ob das nicht schon einmal die Vorderseite war und warum dann der Baum anders eingetopft wurde. Der Grund könnte sein, dass die oberen Äste mächtig auf den Betrachter zu kommen, was man auf dem Foto nicht erkennen kann. Das stört aber nur einen Puristen.
Bild 8: 2011-04: Der Entschluss ist gefasst, die Vorderseite wird geändert. Im Frühjahr 2011 wurde dann versucht, den Baum gegen den Uhrzeigersinn in der Schale zu drehen. Das gelang jedoch nur sehr mäßig. Da stehen mächtige Wurzeln im Wege, die man nicht so einfach kürzen kann. Beim nächsten mal muss die Schale deutlich größer sein. Das Ganze sieht jedoch trotzdem schon ein wenig besser aus.
Bild 9: 2011-09: Im Herbst 2011, zwei Jahre nach Erhalt war es dann so weit. Die Mädchenkiefer wurde zu 100 % gedrahtet. Die klassischen waagrechten 'Wolken' wurden zugunsten von naturnahen, herabhängenden Ästen aufgegeben. Der falsche Jin wurde entfernt; das Loch mit Borke so überklebt, dass man es nur sieht, wenn man weiß, dass es da ist..
Bild 10: 2011-09: Von der neuen Vorderseite aus gesehen, wirkt der Baum nun viel beeindruckender, älter und mächtiger. Die Stammbewegung kommt schön heraus, die Krone hat eine starke Fließrichtung nach rechts. Auch das Nebari wirkt besser von dieser Seite.
Bild 11: 2012-03: Im zeitigen Frühjahr war der Zeitpunkt fürs Umtopfen gekommen. Die alte Schale aus Japan war recht gut, aber nicht nur wegen der Neupositionierung, sondern auch aus ästhetischer Sicht zu klein. Die neue Schale von John Pitt wirkt etwas mächtig, wenn der Baum probehalber in der alten Position eingepflanzt wird.
Bild 12: 2012-03: So sieht das nun deutlich besser aus. Der Wurzelballen wurde ganz sorgfältig teilweise aufgelöst. Mit einem glatten Metallstift wurde viel altes steinhartes Akadama entfernt. Blähton mit etwas Torfzusatz wurde sorgfältig eingearbeitet.
Bild 13: 2012-03: Beim Einsetzen in die neue Schale wurde darauf geachtet, dass der Baum um zwei Zentimeter höher gesetzt wurde. Dadurch kommen schöne Oberflächenwurzeln zu Tage, die unter der Substratoberfläche schlummerten. Die Struktur der Schale reflektiert die Borke.
Bild 14: 2012-04: Die meisten würden einen so wertvollen Baum im Winter gut schützen, damit ihm ja nichts passiert. Mädchenkiefern sind Hochgebirgsbäume, die ähnlich wie unsere Bergkiefern große Kälte sehr gut ertragen. Ich denke, sie brauchen sogar einen harten Winter und lasse den Baum ungeschützt an der Hausmauer stehen. Auch den Katastrophenwinter 2011/12 hat er so munter überlebt.
Bild 15: 2012-09: Jetzt wirkt die Mädchenkiefer 'fertig'. Der ganze Baum ist zwar noch immer gedrahtet, er erscheint aber nicht mehr frisch gestaltet. Nachdem die Nadeln vom Vorjahr gezupft waren, präsentiert er sich sehr elegant trotz seines mächtigen Stammes. Das Nebari ist jetzt sehr schön und die Schale passt gut. Nun muss bloß noch der unterste linke Ast noch etwas zulegen.
Bild 16: 2012-09: Vor schwarzem Hintergrund wirkt jeder Baum viel dichter. Die Krone sollte dauerhaft ein wenig durchsichtig gehalten werden. Die klassischen dichten 'Wolken', die unnatürlich wirken, sollten vermieden werden. Sie machen den Baum jung, während eine transparente Krone ihn leichter und älter erscheinen lässt.
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Tuesday, January 29, 2013
Sunday, January 27, 2013
Die naturalistische orientalische Hainbuche - German
Die naturalistische orientalische Hainbuche
von Walter Pall
http://walter-pall.de/
Jeder kennt die europäische Hainbuche (Carpinus betulus). Sie ist mit Recht einer der beliebtesten heimischen Bäume für die Bonsaigestaltung. Die orientalische Hainbuche (Carpinus orientalis) ist jedoch noch weithin unbekannt. Sie ist ganz hervorragend als Bonsai geeignet: Die Blätter sind sehr klein, im Sommer hell grün, im Herbst leuchtend gelb; das Nebari ist meist gut bis sehr gut; der Stamm und die Äste wachsen immer charaktervoll; die Hainbuche ist winterhart; solange sie vor strengem Frost und vor allem vor Spätfrost geschützt wird; sie wächst gerne in kleinen Gefäßen; auf aggressive Wässerung und reichliche Düngung spricht sie außerordentlich gut an; in wenigen Jahren kann eine ganz dichte Krone geschaffen werden. Die orientalischeHainbuche kommt in Südosteuropa in eher trockenen Gegenden vor, sie gedeiht jedoch im deutschen Klima prächtig.
Die vorgestellte Hainbuche wurde von einem Mann in Kroatien gefunden, der folgendes zu mir sagte :"Die Kollegen nehmen riesige Büsche mit ganz langen Ästen und schneiden die kurz und klein. In wenigen Jahren entstehen so unglaublich gute kleine Bäume. Ich bin dazu nicht in der Lage, ich kann in einem großen Strauch keinen Bonsai erkennen. Also musste ich sehr lange suchen, bis ich eine Hainbuche fand, die schon von Natur aus so gestalte war, wie ich mir einen schönen Bonsai vorstelle". Da hat der Mann tatsächlich recht. Normalerweise findet man nie einen 'Bonsai' in der Natur, sondern höchstens Bonsaimaterial. In diesem Fall war das ein einmaliger Glücksfall. Der Baum konnte tatsächlich mehr oder weniger wie gefunden gestaltet werden. Man kann sehen, dass am Anfang doch recht stark geschnitten wurde. Aber es gibt keine zu großen Löcher, die nie zuwachsen werden. Die vorhandenen Wunden werden in wenigen Jahren ganz verschwunden sein.
Das ist also ein Baum für Puristen. In Japan gibt es nämlich eine weitgehende Übereinkunft dahingehend, dass Laubbäume unversehrt, ja geradezu jungfräulich zu sein haben. Große Wunden, Löcher und gar Jins sind verpönt. Wer mich kennt, der weiß, dass mich das geradezu ermuntert, genau das Gegenteil zu tun. Ich habe hunderte Laubbäume mit großen Löchern und mit Totholz gestaltet. Jedoch ist der hier gezeigte Baum für mich auch etwas besonderes.
Trotzdem mag die Hainbuche bei Traditionalisten anecken. Es steht ja ganz genau in schlauen Bonsaibüchern, wie eine Besenform auszusehen hat; jeder weiß das. Dieser Baum hält sich nur bedingt an diese Regeln. Er sieht letztlich eher wie ein wilder Baum in der Natur aus als ein Bonsai. Nun, das war genau war das Ziel der Gestaltung. Es sollte ein echter, natürlich Baum daraus werden, der keine Ahnung von irgendwelchen Regeln hat und einfach wächst wie es ihm gegeben ist. So was nennt man naturalistisch Bonsaigestaltung. Man soll den Eindruck haben, dass der Baum so gefunden wurde und ihn niemals ein Mensch bearbeitet hat. Am besten kann man das erkennen, wenn der Baum in eine echte Landschaft projiziert wird. Ein 'Bonsai' würde dann wie ein Fremdkörper wirken.
Natürlich kann man einwenden, dass die Hand des Menschen doch deutlich sichtbar ist. Da sind die vielen Wunden; dann ist der Übergang von den abgeschnittenen dickeren Ästen zu der feinen Verzweigung deutlich sichtbar. In einem internationalen Forum hat einer geschrieben "Was da gezeigt wird ist ja gut und schön, aber verglichen mit großartigen japanischen Ahornen sieht man natürlich einen großen Unterschied in der Qualität. Die Ahorne sind unversehrt und haben eine ganz natürlich wirkende Verzweigung ohne krasse Übergänge und sind insgesamt höchst harmonisch und ansprechend." Nun, das ist wohl richtig. Aber der Baum ist ja beim letzten Bild erst 33 Monate in der Gestaltung. Ich denke, dass es recht bemerkenswert ist, dass es die orientalische Hainbuche zuläßt in so kurzer Zeit einen vorzeigbaren Bonsai zu gestalten. Er steht aber trotzdem erst am Anfang. Die durchaus vorhandenen Fehler geben sich ganz von selbst in den nächsten Jahren. Es ist nicht fair ihn jetzt schon mit Bäumen zu vergleichen, die seit dreißig bis fünfzig Jahren bearbeitet wurden. Man könnte schon eher so einen japanischen Ahorn dagegen stellen, der seit 33 Monaten bearbeitet wurde.
Wenn die Hainbuche noch weiter zwanzig Jahre intensiv gestaltet wird, dann kann sie gerne ernsthaft verglichen werden. Vor dem Wettbewerb muss sich der Baum dann wohl nicht fürchten.
Bilder für "Die naturalistische orientalische Hainbuche"
von Walter Pall
Bild 1: 2010-03: Bei einem Seminar der Internationalen Bonsai Akademie in Kastela bei Split in Kroatien wurde dieser Baum gezeigt. Sofort habe ich mich in ihn verliebt und konnte den Besitzer davon überzeugen, dass der Baum bei mir gut aufgehoben war.
Bild 2: 2010-03: In meinem Garten ging es dann gleich los. Zuerst wird der Baum analysiert indem er mehrfach gedreht wird. Ich will jetzt noch nicht die endgültige Vorderseite finden, sondern einige mögliche. Der Baum wurde im Frühjahr 2009 ausgegraben. Dafür ist er bereits sehr reichlich verzweigt.
Bild 3: 2010-03: Die Hainbuche hat prächtige Anlagen, aber es war zu dem Zeitpunkt noch einiges heraus zu schneiden. Zuerst wird weiter gedreht, damit da nichts wegkommt was mir danach leid tut.
Bild 4: 2010-03: Das sieht schon mal gar nicht schlecht aus. Könnte man fast so lassen. Wenn man nicht weiß, welche Vorderseite die beste ist, dann hat man ein Luxusproblem.
Bild 5: 2010-03: Bei der Auswahl wird in erster Linie auf das Nebari geblickt, dann auf das unter Drittel des Stammes und die Position der Äste bzw. Sub-Stämme. Alles andere kann man mit einfachen Mitteln langfristig korrigieren.
Bild 6: 2010-03: Die meisten würden in diesem Stadium auf den oberen Teil der Krone sehen und danach beurteilen. Das ist keine gute Vorgehensweise. Der obere Teil der Krone ist jetzt nicht wichtig, da kommt ohnehin vieles weg.
Bild 7: 2010-03: Das mag jetzt Viele erschrecken. Zu diesem Zeitpunkt ist es leider notwendig, sehr viele Äste zu entfernen, die irgend wann zum Problem werden. Dabei wird von unten nach oben ringsherum gearbeitet. Auf unmittelbare Ästhetik wird jetzt kein Wert gelegt.
Bild 8: 2010-03: Diese Seite sticht mir schon wieder ins Auge. Die dünnen Äste werden bis auf wenige Knospen zurück geschnitten. So entsteht wieder Raum für Zuwachs. Weil dieser Rückschnitt den Baum erst einmal hässlich macht, sieht man kaum jemals Laubbaumgestaltung auf der Bühne.
Bild 9: 2010-03: Die Silhouette war vorher besser. Jetzt wird die Krone absichtlich deutlich verkleinert. Wenn ich die ursprüngliche Krone belassen hätte, dann wäre durch den jährlichen Zuwachs die Krone bald zu groß geworden.
Bild 10: 2010-03: Die zu große Krone müsste man dann in einigen Jahren wieder kräftig verkleinern. Da ist es viel besser, konsequent zu sein. Kurzfristige Schönheit wird geopfert für langfristige Qualität.
Bild 11: 2010-03: Weil ja bloß geschnitten wurde und nicht gedrahtet kann sofort auch umgetopft werden. Der Baum hat sehr viele kräftige Wurzeln gebildet und kann sofort in eine gute Bonsaischale gesetzt werden. Orientalische Hainbuchen halten das locker aus.
Bild 12: 2010-03: Das ist ein mächtiger Klotz von Wurzelballen. Die meisten würden jetzt ganz vorsichtig mit der Kralle das Substrat entfernen. Das kann man natürlich machen, aber schonender als meine Methode ist es auch nicht.
Bild 13: 2010-03: Außerdem ist es nicht nötig. Eine scharfe Säge macht das in wenigen Sekunden. Das mag jetzt wieder Viele erschrecken, ist aber ganz professionell.
Bild 14: 2010-03: Auch rund herum kann ohne weiteres mit der Säge gearbeitet werden. Jetzt kann man endlich auch die außerordentliche Qualität des Nebari erkennen.
Bild 15: 2010-03: Nun braucht man ein große Auswahl and Schalen in der richtigen Größe. Der Baum kann sofort in die endgültige Schale gesetzt werden.
Der Wurzelballen passt ganz sicher.
Bild 16: 2010-03: Die Hainbuche hat mehrere gute Seiten, zwei liegen ziemlich genau gegenüber. Deshalb wurde dann diese gewählt. Pawel schaufelt modernes Substrat in die Schale. Die Schale ist von Petra Tomlinson und scheint mir sehr gut geeignet.
Bild 17: 2010-03: Das Substrat besteht in diesem Fall aus Blähton, der mit 20 % grobem Torf angereichert wurde. Es ist jetzt wichtig, dass das Substrat gut in die Wurzeln eingearbeitet wird.
Bild 18: 2010-03: Das sieht doch schon mal gut aus! Nur das untere Drittel des Baumes ist jetzt wichtig. Oben kann man viel verändern, unten kaum etwas. Die Schale wirkt jetzt ein wenig zu groß, aber die Krone wird in Zukunft deutlich größer werden.
Bild 19: 2010-03: Diese Seite sieht auf Fotos am besten aus. In Wirklichkeit ist sie nicht unbedingt die beste. Das macht aber nichts. Dann wird der Baum eben einfach umgedreht.
Bild 20: 2010-03: Luxusproblem! Sag ich doch. Was ist denn nun die beste Seite? Egal, erst einmal geht es in die Verfeinerungsphase. Ein naturalistischer Bonsai muss von allen Seiten glaubhaft wirken. Es ist erwünscht, dass man sich kaum für die beste Seite entscheiden kann.
Bild 21: 2010-06: Bereits drei Monate nach der Erstgestaltung ist der Baum schon gut vorzeigbar. Das kleine Laub macht sich ganz prächtig. Die Blätter werden sogar noch kleiner, wenn der Baum lange nicht umgetopft wird.
Bild 22: 2010-11: Das ist ja schon sehr erfreulich! Das Laub der orientalischen Hainbuche ist nicht nur filigran, sondern auch im Herbst sehr schön gelblich und besser als das der europäischen Hainbuche. Die Schale wirkt immer noch etwas zu groß.
Bild 23: 2010-11: Jetzt kann man erkennen, dass das Nebari eine deutlich andere Farbe hat als der Stamm und die Äste. Es war ja auch unter der Erde. Die Herausforderung besteht nun darin, diesen Fehler über die Jahre zu beseitigen.
Bild 24: 2010-12: Wenn die Blätter ab sind, kann man einen Laubbaum am besten beurteilen. Man sieht leider aber auch jeden Fehler ganz genau. Der wilde, ein wenig ungeordnete Eindruck ist gewollt. Es wird ja kein Bonsai gestaltet, sondern ein Baum.
Bild 25: 2010:12: Zuerst wird in der Krone noch bereinigt, ev. werden auch noch dickere Äste entfernt. Der Neuaustrieb vom vergangenen Sommer wird bis auf zwei oder drei Knospen zurück geschnitten. Die dicken Äste werden mit Zugdraht abgespannt.
Bild 26: 2011-05: Die Krone ist jetzt schon wieder sehr dicht. Der Baum ist so zwar gut vorzeigbar, aber er wirkt trotzdem besser ohne Laub. Bei Laubbäumen muss man sich entscheiden, ob man sie für die Ansicht mit oder ohne Laub gestaltet. Amateure entscheiden sich meist für die Sommer-, Profis für die Winteransicht.
Bild 27: 2011-11: Ja, da kommt Freude auf. Nach bloß zwei Vegetationsperioden ist die Hainbuche schon fast 'fertig'. Nun ja, das Nebari muss immer noch mit Jinmittel angemalt werden, bis es die Farbe des Stammes hat. Und die Krone sollte noch etwas and Umfang und Feinverzweigung zulegen.
Bild 28: 2011-11: Es ist immer noch gut sichtbar, wo die dicken Äste gekürzt wurden. Die neuen Ästchen sind noch zu dünn. Der Fehler gibt sich im Laufe der Jahre ganz von selbst. Für Puristen ist es wichtig, dass dieser Baum keine großen Schnittstellen aufweist.
Bild 29: 2011-11: Zufriedenheit ist der Tod des Künstlers! So gut das auch immer aussieht, das kann noch besser werden. Die dicken Äste sind mit Draht kaum biegbar, mit Spanndraht geht das jedoch recht gut. Es sieht aber vorerst ganz schlimm aus.
Bild 30: 2011-11: Bei der Gestaltung wird immer noch rund herum gearbeitet. Der Baum muss von allen Seiten glaubhaft aussehen. Irgend wann ergibt sich dann die beste Seite von selbst. Es soll ja ein natürlicher Baum entstehen und kein 'Bonsai'.
Bild 31: 2012-12: Das ist dann ein Jahr später der Lohn für die ganz Arbeit. Die Feinverzweigung ist in drei Vegetationsperioden beachtlich fortgeschritten. Die dicken Äste sind gebändigt, aber man merkt es nicht wirklich. Es wirkt als wäre alles von selbst so gewachsen.
Bild 32: 2012-12: Jetzt stört mich immer noch die dunkle Farbe des Nebari. Das wird wieder mit Jinmittel angemalt. Im Sommer scheint die pralle Sonne drauf. Irgend wann wird es die Farbe des Stammes annehmen.
Bild 33: 2012-12: Es sind nun 33 Monate seit der Erstgestaltung vergangen, 42 seit dem Ausgraben. Jetzt ist der Baum bereits reif und kann vorgezeigt werden. Allerdings ist das erst der Anfang. In den nächsten Jahren wird er sich noch deutlich verbessern.
Bild 34: Ob ein Bonsai wirklich gut naturalistisch gestaltet wurde kann man einfach feststellen indem man ihn in eine Landschaft projiziert. Wenn er sich dort problemlos einordnet und nicht als Fremdkörper erscheint, dann handelt es sich um gelungene naturalistische Bonsaigestaltung.
von Walter Pall
http://walter-pall.de/
Jeder kennt die europäische Hainbuche (Carpinus betulus). Sie ist mit Recht einer der beliebtesten heimischen Bäume für die Bonsaigestaltung. Die orientalische Hainbuche (Carpinus orientalis) ist jedoch noch weithin unbekannt. Sie ist ganz hervorragend als Bonsai geeignet: Die Blätter sind sehr klein, im Sommer hell grün, im Herbst leuchtend gelb; das Nebari ist meist gut bis sehr gut; der Stamm und die Äste wachsen immer charaktervoll; die Hainbuche ist winterhart; solange sie vor strengem Frost und vor allem vor Spätfrost geschützt wird; sie wächst gerne in kleinen Gefäßen; auf aggressive Wässerung und reichliche Düngung spricht sie außerordentlich gut an; in wenigen Jahren kann eine ganz dichte Krone geschaffen werden. Die orientalischeHainbuche kommt in Südosteuropa in eher trockenen Gegenden vor, sie gedeiht jedoch im deutschen Klima prächtig.
Die vorgestellte Hainbuche wurde von einem Mann in Kroatien gefunden, der folgendes zu mir sagte :"Die Kollegen nehmen riesige Büsche mit ganz langen Ästen und schneiden die kurz und klein. In wenigen Jahren entstehen so unglaublich gute kleine Bäume. Ich bin dazu nicht in der Lage, ich kann in einem großen Strauch keinen Bonsai erkennen. Also musste ich sehr lange suchen, bis ich eine Hainbuche fand, die schon von Natur aus so gestalte war, wie ich mir einen schönen Bonsai vorstelle". Da hat der Mann tatsächlich recht. Normalerweise findet man nie einen 'Bonsai' in der Natur, sondern höchstens Bonsaimaterial. In diesem Fall war das ein einmaliger Glücksfall. Der Baum konnte tatsächlich mehr oder weniger wie gefunden gestaltet werden. Man kann sehen, dass am Anfang doch recht stark geschnitten wurde. Aber es gibt keine zu großen Löcher, die nie zuwachsen werden. Die vorhandenen Wunden werden in wenigen Jahren ganz verschwunden sein.
Das ist also ein Baum für Puristen. In Japan gibt es nämlich eine weitgehende Übereinkunft dahingehend, dass Laubbäume unversehrt, ja geradezu jungfräulich zu sein haben. Große Wunden, Löcher und gar Jins sind verpönt. Wer mich kennt, der weiß, dass mich das geradezu ermuntert, genau das Gegenteil zu tun. Ich habe hunderte Laubbäume mit großen Löchern und mit Totholz gestaltet. Jedoch ist der hier gezeigte Baum für mich auch etwas besonderes.
Trotzdem mag die Hainbuche bei Traditionalisten anecken. Es steht ja ganz genau in schlauen Bonsaibüchern, wie eine Besenform auszusehen hat; jeder weiß das. Dieser Baum hält sich nur bedingt an diese Regeln. Er sieht letztlich eher wie ein wilder Baum in der Natur aus als ein Bonsai. Nun, das war genau war das Ziel der Gestaltung. Es sollte ein echter, natürlich Baum daraus werden, der keine Ahnung von irgendwelchen Regeln hat und einfach wächst wie es ihm gegeben ist. So was nennt man naturalistisch Bonsaigestaltung. Man soll den Eindruck haben, dass der Baum so gefunden wurde und ihn niemals ein Mensch bearbeitet hat. Am besten kann man das erkennen, wenn der Baum in eine echte Landschaft projiziert wird. Ein 'Bonsai' würde dann wie ein Fremdkörper wirken.
Natürlich kann man einwenden, dass die Hand des Menschen doch deutlich sichtbar ist. Da sind die vielen Wunden; dann ist der Übergang von den abgeschnittenen dickeren Ästen zu der feinen Verzweigung deutlich sichtbar. In einem internationalen Forum hat einer geschrieben "Was da gezeigt wird ist ja gut und schön, aber verglichen mit großartigen japanischen Ahornen sieht man natürlich einen großen Unterschied in der Qualität. Die Ahorne sind unversehrt und haben eine ganz natürlich wirkende Verzweigung ohne krasse Übergänge und sind insgesamt höchst harmonisch und ansprechend." Nun, das ist wohl richtig. Aber der Baum ist ja beim letzten Bild erst 33 Monate in der Gestaltung. Ich denke, dass es recht bemerkenswert ist, dass es die orientalische Hainbuche zuläßt in so kurzer Zeit einen vorzeigbaren Bonsai zu gestalten. Er steht aber trotzdem erst am Anfang. Die durchaus vorhandenen Fehler geben sich ganz von selbst in den nächsten Jahren. Es ist nicht fair ihn jetzt schon mit Bäumen zu vergleichen, die seit dreißig bis fünfzig Jahren bearbeitet wurden. Man könnte schon eher so einen japanischen Ahorn dagegen stellen, der seit 33 Monaten bearbeitet wurde.
Wenn die Hainbuche noch weiter zwanzig Jahre intensiv gestaltet wird, dann kann sie gerne ernsthaft verglichen werden. Vor dem Wettbewerb muss sich der Baum dann wohl nicht fürchten.
Bilder für "Die naturalistische orientalische Hainbuche"
von Walter Pall
Bild 1: 2010-03: Bei einem Seminar der Internationalen Bonsai Akademie in Kastela bei Split in Kroatien wurde dieser Baum gezeigt. Sofort habe ich mich in ihn verliebt und konnte den Besitzer davon überzeugen, dass der Baum bei mir gut aufgehoben war.
Bild 2: 2010-03: In meinem Garten ging es dann gleich los. Zuerst wird der Baum analysiert indem er mehrfach gedreht wird. Ich will jetzt noch nicht die endgültige Vorderseite finden, sondern einige mögliche. Der Baum wurde im Frühjahr 2009 ausgegraben. Dafür ist er bereits sehr reichlich verzweigt.
Bild 3: 2010-03: Die Hainbuche hat prächtige Anlagen, aber es war zu dem Zeitpunkt noch einiges heraus zu schneiden. Zuerst wird weiter gedreht, damit da nichts wegkommt was mir danach leid tut.
Bild 4: 2010-03: Das sieht schon mal gar nicht schlecht aus. Könnte man fast so lassen. Wenn man nicht weiß, welche Vorderseite die beste ist, dann hat man ein Luxusproblem.
Bild 5: 2010-03: Bei der Auswahl wird in erster Linie auf das Nebari geblickt, dann auf das unter Drittel des Stammes und die Position der Äste bzw. Sub-Stämme. Alles andere kann man mit einfachen Mitteln langfristig korrigieren.
Bild 6: 2010-03: Die meisten würden in diesem Stadium auf den oberen Teil der Krone sehen und danach beurteilen. Das ist keine gute Vorgehensweise. Der obere Teil der Krone ist jetzt nicht wichtig, da kommt ohnehin vieles weg.
Bild 7: 2010-03: Das mag jetzt Viele erschrecken. Zu diesem Zeitpunkt ist es leider notwendig, sehr viele Äste zu entfernen, die irgend wann zum Problem werden. Dabei wird von unten nach oben ringsherum gearbeitet. Auf unmittelbare Ästhetik wird jetzt kein Wert gelegt.
Bild 8: 2010-03: Diese Seite sticht mir schon wieder ins Auge. Die dünnen Äste werden bis auf wenige Knospen zurück geschnitten. So entsteht wieder Raum für Zuwachs. Weil dieser Rückschnitt den Baum erst einmal hässlich macht, sieht man kaum jemals Laubbaumgestaltung auf der Bühne.
Bild 9: 2010-03: Die Silhouette war vorher besser. Jetzt wird die Krone absichtlich deutlich verkleinert. Wenn ich die ursprüngliche Krone belassen hätte, dann wäre durch den jährlichen Zuwachs die Krone bald zu groß geworden.
Bild 10: 2010-03: Die zu große Krone müsste man dann in einigen Jahren wieder kräftig verkleinern. Da ist es viel besser, konsequent zu sein. Kurzfristige Schönheit wird geopfert für langfristige Qualität.
Bild 11: 2010-03: Weil ja bloß geschnitten wurde und nicht gedrahtet kann sofort auch umgetopft werden. Der Baum hat sehr viele kräftige Wurzeln gebildet und kann sofort in eine gute Bonsaischale gesetzt werden. Orientalische Hainbuchen halten das locker aus.
Bild 12: 2010-03: Das ist ein mächtiger Klotz von Wurzelballen. Die meisten würden jetzt ganz vorsichtig mit der Kralle das Substrat entfernen. Das kann man natürlich machen, aber schonender als meine Methode ist es auch nicht.
Bild 13: 2010-03: Außerdem ist es nicht nötig. Eine scharfe Säge macht das in wenigen Sekunden. Das mag jetzt wieder Viele erschrecken, ist aber ganz professionell.
Bild 14: 2010-03: Auch rund herum kann ohne weiteres mit der Säge gearbeitet werden. Jetzt kann man endlich auch die außerordentliche Qualität des Nebari erkennen.
Bild 15: 2010-03: Nun braucht man ein große Auswahl and Schalen in der richtigen Größe. Der Baum kann sofort in die endgültige Schale gesetzt werden.
Der Wurzelballen passt ganz sicher.
Bild 16: 2010-03: Die Hainbuche hat mehrere gute Seiten, zwei liegen ziemlich genau gegenüber. Deshalb wurde dann diese gewählt. Pawel schaufelt modernes Substrat in die Schale. Die Schale ist von Petra Tomlinson und scheint mir sehr gut geeignet.
Bild 17: 2010-03: Das Substrat besteht in diesem Fall aus Blähton, der mit 20 % grobem Torf angereichert wurde. Es ist jetzt wichtig, dass das Substrat gut in die Wurzeln eingearbeitet wird.
Bild 18: 2010-03: Das sieht doch schon mal gut aus! Nur das untere Drittel des Baumes ist jetzt wichtig. Oben kann man viel verändern, unten kaum etwas. Die Schale wirkt jetzt ein wenig zu groß, aber die Krone wird in Zukunft deutlich größer werden.
Bild 19: 2010-03: Diese Seite sieht auf Fotos am besten aus. In Wirklichkeit ist sie nicht unbedingt die beste. Das macht aber nichts. Dann wird der Baum eben einfach umgedreht.
Bild 20: 2010-03: Luxusproblem! Sag ich doch. Was ist denn nun die beste Seite? Egal, erst einmal geht es in die Verfeinerungsphase. Ein naturalistischer Bonsai muss von allen Seiten glaubhaft wirken. Es ist erwünscht, dass man sich kaum für die beste Seite entscheiden kann.
Bild 21: 2010-06: Bereits drei Monate nach der Erstgestaltung ist der Baum schon gut vorzeigbar. Das kleine Laub macht sich ganz prächtig. Die Blätter werden sogar noch kleiner, wenn der Baum lange nicht umgetopft wird.
Bild 22: 2010-11: Das ist ja schon sehr erfreulich! Das Laub der orientalischen Hainbuche ist nicht nur filigran, sondern auch im Herbst sehr schön gelblich und besser als das der europäischen Hainbuche. Die Schale wirkt immer noch etwas zu groß.
Bild 23: 2010-11: Jetzt kann man erkennen, dass das Nebari eine deutlich andere Farbe hat als der Stamm und die Äste. Es war ja auch unter der Erde. Die Herausforderung besteht nun darin, diesen Fehler über die Jahre zu beseitigen.
Bild 24: 2010-12: Wenn die Blätter ab sind, kann man einen Laubbaum am besten beurteilen. Man sieht leider aber auch jeden Fehler ganz genau. Der wilde, ein wenig ungeordnete Eindruck ist gewollt. Es wird ja kein Bonsai gestaltet, sondern ein Baum.
Bild 25: 2010:12: Zuerst wird in der Krone noch bereinigt, ev. werden auch noch dickere Äste entfernt. Der Neuaustrieb vom vergangenen Sommer wird bis auf zwei oder drei Knospen zurück geschnitten. Die dicken Äste werden mit Zugdraht abgespannt.
Bild 26: 2011-05: Die Krone ist jetzt schon wieder sehr dicht. Der Baum ist so zwar gut vorzeigbar, aber er wirkt trotzdem besser ohne Laub. Bei Laubbäumen muss man sich entscheiden, ob man sie für die Ansicht mit oder ohne Laub gestaltet. Amateure entscheiden sich meist für die Sommer-, Profis für die Winteransicht.
Bild 27: 2011-11: Ja, da kommt Freude auf. Nach bloß zwei Vegetationsperioden ist die Hainbuche schon fast 'fertig'. Nun ja, das Nebari muss immer noch mit Jinmittel angemalt werden, bis es die Farbe des Stammes hat. Und die Krone sollte noch etwas and Umfang und Feinverzweigung zulegen.
Bild 28: 2011-11: Es ist immer noch gut sichtbar, wo die dicken Äste gekürzt wurden. Die neuen Ästchen sind noch zu dünn. Der Fehler gibt sich im Laufe der Jahre ganz von selbst. Für Puristen ist es wichtig, dass dieser Baum keine großen Schnittstellen aufweist.
Bild 29: 2011-11: Zufriedenheit ist der Tod des Künstlers! So gut das auch immer aussieht, das kann noch besser werden. Die dicken Äste sind mit Draht kaum biegbar, mit Spanndraht geht das jedoch recht gut. Es sieht aber vorerst ganz schlimm aus.
Bild 30: 2011-11: Bei der Gestaltung wird immer noch rund herum gearbeitet. Der Baum muss von allen Seiten glaubhaft aussehen. Irgend wann ergibt sich dann die beste Seite von selbst. Es soll ja ein natürlicher Baum entstehen und kein 'Bonsai'.
Bild 31: 2012-12: Das ist dann ein Jahr später der Lohn für die ganz Arbeit. Die Feinverzweigung ist in drei Vegetationsperioden beachtlich fortgeschritten. Die dicken Äste sind gebändigt, aber man merkt es nicht wirklich. Es wirkt als wäre alles von selbst so gewachsen.
Bild 32: 2012-12: Jetzt stört mich immer noch die dunkle Farbe des Nebari. Das wird wieder mit Jinmittel angemalt. Im Sommer scheint die pralle Sonne drauf. Irgend wann wird es die Farbe des Stammes annehmen.
Bild 33: 2012-12: Es sind nun 33 Monate seit der Erstgestaltung vergangen, 42 seit dem Ausgraben. Jetzt ist der Baum bereits reif und kann vorgezeigt werden. Allerdings ist das erst der Anfang. In den nächsten Jahren wird er sich noch deutlich verbessern.
Bild 34: Ob ein Bonsai wirklich gut naturalistisch gestaltet wurde kann man einfach feststellen indem man ihn in eine Landschaft projiziert. Wenn er sich dort problemlos einordnet und nicht als Fremdkörper erscheint, dann handelt es sich um gelungene naturalistische Bonsaigestaltung.
Interviú con una revista en Hong Kong
translated by Jose Redondo. Thank you.
-->
7 ¿Disfrutas del
proceso?, o simplemente te enfocas en el mensaje y el resultado.
-->
Interviú con una
revista en Hong Kong
Estas
son mis respuestas
1
¿Que es bonsái para ti?
Bonsái
en general para mi es una forma de arte, es una forma de expresarse
mediante un árbol vivo. Para mí, personalmente, es mi vida, mi
pasión, es la cosa más importante.
2
¿Como comenzaste con Bonsái?
En
1978 vi mi primer Bonsái en un centro de jardinería, después de
leer acerca de ellos. Inmediatamente me intrigo .Siempre he tenido
interés en jardinería, en naturaleza y en arte, vi la conexión e
instantáneamente supe que era para mí. Me parecía imposible, tan
dificultoso, que desesperadamente quise aprenderlo
3 Por favor describa su
trabajo y ¿Que información está intentando pasar?
Mi trabajo consiste en
coger cualquier árbol que caiga en mis manos y llevarlo hacia
adelante paso a paso. Llevarlo hacia adelante significa la
trayectoria entre un palo en un tiesto a una obra de arte, un árbol
que habla, un árbol con personalidad, un árbol con espíritu.
4 ¿De dónde le llega la
inspiración? ¿Nos puedes comentar acerca de la filosofía que hay
detrás de tu trabajo?
Mi inspiración me llega
de la naturaleza, de arboles reales y de mis queridas montanas, Los
Alpes. Mi intención es NO hacer que mis arboles se parezcan a un
bonsái, es más que el bonsái se parezca a el árbol. Aunque la
forma es importante, es el espíritu, del árbol, el que hace la
diferencia. Procuro concentrarme en el espíritu del árbol.
5 ¿Cuál es su mayor
preocupación una vez que ha decidido su diseño?
Mi preocupación principal
es mantener el árbol vivo, después, quiero hacer de él lo mejor
artísticamente. Intento encontrar lo que al árbol le gustaría ser
si tuviese la oportunidad. Esto significa no imponer mi voluntad en
el árbol y dejar que el me diga, guie.
6 ¿Qué dificultades te
encuentras normalmente cuando trabajas con Bonsái? Y más
importante ¿Que emociones se envuelven?
Las dificultades son
horticulturales y artísticas. Es difícil trabajar fuerte con un
árbol vivo sin dañarlo y cambiar radicalmente su apariencia. Tiempo
es el mayor problema, observo mi material de cerca y tengo una clara
visión de cómo será, entonces toma unos veinte años a veces más,
hasta que mi visión se convierte en realidad. El problema es la vida
del artista, cuando tiene la sabiduría, ya se ha hecho viejo como
para ver el resultado de su trabajo. Lo más importante en un artista
es ser verdadero, honesto, genuino. Hago lo que creo que es cierto
sin que me preocupe lo que el mundo piense de mí.
Es de extrema importancia
disfrutar de proceso, de otra forma nunca tendrás éxito. Es como en
deportes o música, si no disfrutas entrenando o practicando, aunque
tengas mucho talento será desaprovechado. Para el mundo Oriental
“hacer “es el propósito, Para el mundo Occidental “el
resultado” es el propósito. Yo simplemente conjunto los dos y soy
feliz con ello.
8 Por favor cuéntanos de
tus momentos más felices y dolorosos, preocupantes.
De los momentos más
felices es , después de sonreír durante años a un árbol feo, un
día el árbol te sonríe a ti, tu eres el único que lo puede ver ,
igual que la madre lo ve en su bebe .De los más dolorosos ,
claramente , es cuando uno de tus arboles muere. Es como si uno de
tus hijos muriese.
9 ¿As sido alguna vez
parado o arrestado por tu trabajo?
Que pregunta más extraña,
bueno, hay gente que recolecta arboles de la naturaleza sin permiso
y han sido parados e incluso arrestados. No he sido uno de ellos.
Parado por hacer bonsái, una extraña forma de arte? Nadie en Europa
me detendría por ello.
10 ¿Qué piensas del
futuro del Bonsái?
Veo un futuro brillante
para el bonsái. Más y más gente tiene el problema en el mundo
moderno de estar separados de la naturaleza. Bonsái es una forma de
reconectar. Bonsái es mucho más que cuidar de las plantas de casa,
es como tener un animal domestico de por vida. Está creciendo en
Europa y mucha gente joven esta atraída.
11 ¿Qué países crees
que tienen más desarrollada la cultura del Bonsái?
En Europa son Italia,
España, el Reino Unido y Bélgica. Japón, por supuesto sigue siendo
el más avanzado pero el interés por Bonsái desafortunadamente no
crece nada allá. Indonesia parece estar muy activa. Mientras, en
China, que invento esta forma de arte, parece dormida en comparación.
Puedo ver que Bonsái pudiera estar de moda en China de nuevo. No me
imagino a China copiando el estilo Japonés de Bonsái como hacen
muchos otros países, me imagino a China creando una genuina nueva
forma de la cultura del Bonsái cercana a el tradicional Pejín.
Miro hacia adelante viendo que esto sucederá en los próximos diez o
veinte años.
12 Por favor cuéntanos
tus planes para los próximos seis meses
Trabajar cada día para o
alrededor de Bonsáis. Viajare un poco por Europa, ire a América por
diez días para organizar mi academia internacional de Bonsái.
Trabajare en tantos arboles como pueda para llevarlos un paso
adelante. Disfrutare y seré un hombre feliz.
Monday, March 5, 2012
Interview with magazine in Hong Kong
I was asked for an interview by the Hong Kong based magazine 'Trends'on' http://trendson.com/
Here my answers:
1. What is BONSAI to you?
Bonsai in general for me is an art form, a way to express oneself with the medium of a living tree. For me personally bonsai is my life, my passion, the most important thing.
2. How did you get involved with BONSAI?
In 1978 I saw my first bonsai in a garden center after having read about it. It immediately intrigued me. I was always keenly interested in gardening, nature and in arts. I saw the connection and knew instantly that this was for me. It seemed so impossible, so difficult that I desperately wanted to master it.
3. Please describe your work and what information are you trying to pass on?
My work consists in taking whatever tree I can get my hand on and bring it further step by step. Further means towards the aim of getting it from a stick in a pot to a piece of art, a tree that speaks, a tree with character,a tree with soul.
4. Where do you get your inspirations from? Could you tell us more about the philosophy behind your work?
My inspiration comes form nature, from real trees in my beloved mountains, the Alps. I try to NOT make my tree look like a bonsai, but rather the bonsai like a tree. While form is important it is soul which makes all the difference. I try to concentrate on the soul.
5. What concerns do you have when you decide your executions?
My main concern is to keep the tree alive. Then I want to make the best of it artistically. I try to find what the tree wants to be if it only had the chance. This means not too much impose my own will onto the tree but let it speak to me.
6. What difficulties do you usually run into when working on BONSAI? Or emotions involved? Or most important?
The difficulties are mostly horticultural and artistic. It is very difficult to work hard on a living tree without damaging it but still changing the look radically. Time is the main problem. I look at material closely and develop a clear vision. But then it takes twenty years or even more before that vision comes true. The problem is in the life span of an artist. When he knows very much he is too old to really ever see the result. The most important thing as an artist is to be true, honest, genuine. I do what I think is right, regardless of what the world thinks about me.
7. Do you enjoy the process? Or do you simply focus on the message and outcome?
It is of extreme importance to enjoy the process. Otherwise you will never succeed. It is like in sports or music. If you don't enjoy working out you may have a lot of talent but it is wasted. In an eastern sense the doing is the aim, in a western sense the result is the aim. I simply combine both and I am happy with it.
8. Please tell us about your most joyous and distressed moments!!
The most joyous moments are when after many years smiling at an ugly tree one day it smiles back. You are the only one to see it like the mother sees it on the baby. The most distressed moments clearly are when one of your trees dies. It's like one of your children dies.
9. Have you ever been stopped, or even arrested for your work?
What a strange question. Well there are people who take trees from nature without permit and get stopped or even arrested. I was never one of them. Stopped for doing bonsai, a foreign art form? Nobody in Europe would stop me for doing what I do.
10. What do you think the future of BONSAI is?
I see a bright future for bonsai. More and more people have the problem in a modern world to be separated from nature. Bonsai is a way to get it back. Bonsai is so much more than keeping house plants, it is like having a pet for a life time. It is is growing in Europe and lots of young people are attracted.
11. Which country (ies) do you think has (have) the most developed culture of BONSAI?
In Europe that would be Italy, Spain United Kingdom and Belgium. Japan, of course is still the most developed, but the interest for bonsai is unfortunately not growing there at all. Indonesia seems to be very active. While China has invented the art form it is still kind of sleeping, comparatively. I can see that bonsai could become fashionable there again. I cannot see that China will continue copying Japanese bonsai style like so many other countries. I can see China creating a new genuine Chinese bonsai culture next to the traditional Penjing. I look forward to see it happen within the next ten to twenty years.
12. Please tell us your plan of the next half year.
Working every day for and around bonsai. I will do some traveling, in Europe and I will go to America for ten days to run my International Bonsai Academy there. I will get my hand on as many trees as I can and bring them one step further. I will enjoy myself and be a happy man.
Here my answers:
1. What is BONSAI to you?
Bonsai in general for me is an art form, a way to express oneself with the medium of a living tree. For me personally bonsai is my life, my passion, the most important thing.
2. How did you get involved with BONSAI?
In 1978 I saw my first bonsai in a garden center after having read about it. It immediately intrigued me. I was always keenly interested in gardening, nature and in arts. I saw the connection and knew instantly that this was for me. It seemed so impossible, so difficult that I desperately wanted to master it.
3. Please describe your work and what information are you trying to pass on?
My work consists in taking whatever tree I can get my hand on and bring it further step by step. Further means towards the aim of getting it from a stick in a pot to a piece of art, a tree that speaks, a tree with character,a tree with soul.
4. Where do you get your inspirations from? Could you tell us more about the philosophy behind your work?
My inspiration comes form nature, from real trees in my beloved mountains, the Alps. I try to NOT make my tree look like a bonsai, but rather the bonsai like a tree. While form is important it is soul which makes all the difference. I try to concentrate on the soul.
5. What concerns do you have when you decide your executions?
My main concern is to keep the tree alive. Then I want to make the best of it artistically. I try to find what the tree wants to be if it only had the chance. This means not too much impose my own will onto the tree but let it speak to me.
6. What difficulties do you usually run into when working on BONSAI? Or emotions involved? Or most important?
The difficulties are mostly horticultural and artistic. It is very difficult to work hard on a living tree without damaging it but still changing the look radically. Time is the main problem. I look at material closely and develop a clear vision. But then it takes twenty years or even more before that vision comes true. The problem is in the life span of an artist. When he knows very much he is too old to really ever see the result. The most important thing as an artist is to be true, honest, genuine. I do what I think is right, regardless of what the world thinks about me.
7. Do you enjoy the process? Or do you simply focus on the message and outcome?
It is of extreme importance to enjoy the process. Otherwise you will never succeed. It is like in sports or music. If you don't enjoy working out you may have a lot of talent but it is wasted. In an eastern sense the doing is the aim, in a western sense the result is the aim. I simply combine both and I am happy with it.
8. Please tell us about your most joyous and distressed moments!!
The most joyous moments are when after many years smiling at an ugly tree one day it smiles back. You are the only one to see it like the mother sees it on the baby. The most distressed moments clearly are when one of your trees dies. It's like one of your children dies.
9. Have you ever been stopped, or even arrested for your work?
What a strange question. Well there are people who take trees from nature without permit and get stopped or even arrested. I was never one of them. Stopped for doing bonsai, a foreign art form? Nobody in Europe would stop me for doing what I do.
10. What do you think the future of BONSAI is?
I see a bright future for bonsai. More and more people have the problem in a modern world to be separated from nature. Bonsai is a way to get it back. Bonsai is so much more than keeping house plants, it is like having a pet for a life time. It is is growing in Europe and lots of young people are attracted.
11. Which country (ies) do you think has (have) the most developed culture of BONSAI?
In Europe that would be Italy, Spain United Kingdom and Belgium. Japan, of course is still the most developed, but the interest for bonsai is unfortunately not growing there at all. Indonesia seems to be very active. While China has invented the art form it is still kind of sleeping, comparatively. I can see that bonsai could become fashionable there again. I cannot see that China will continue copying Japanese bonsai style like so many other countries. I can see China creating a new genuine Chinese bonsai culture next to the traditional Penjing. I look forward to see it happen within the next ten to twenty years.
12. Please tell us your plan of the next half year.
Working every day for and around bonsai. I will do some traveling, in Europe and I will go to America for ten days to run my International Bonsai Academy there. I will get my hand on as many trees as I can and bring them one step further. I will enjoy myself and be a happy man.
Thursday, January 12, 2012
new version of "Substrat, Wässern, Düngen" German
Substrat, Wässern und Düngen
Stand 01/2012
Methoden von Walter Pall, http://walter-pall.de
Einiges, wenn nicht alles in diesem Artikel wird vielen ganz fremd und unglaublich erscheinen. Ich habe das nicht entdeckt oder erfunden. Ich habe bloß moderne Gartenbaumethoden auf Bonsai übertragen. Diese Methoden werden außerhalb von Bonsai seit Jahrzehnten in vielen Millionen Gartenbaubetrieben angewendet. In der Bonsaiwelt erscheint das aber als revolutionär. Ich arbeite mit dieser Methode seit über zehn Jahren und weiß, dass viele tausend Bonsaigärtner in der ganzen Welt damit hervorragende Erfolge haben. Auch wenn die Beschreibung hier ein wenig hemdsärmelig, direkt aus der Gartenpraxis, daher kommt, sollte der Leser davon ausgehen, dass das im Wesentlichen dem momentanen wissenschaftlichen Stand entspricht.
Ich wurde gebeten, für eine amerikanische Publikation einen Absatz über "Düngen von Nadelbäumen "zu schreiben. Also setzte ich mich hin und das ist das Ergebnis. Ich bemerkte während des Schreibens, dass es unverantwortlich war, nur einen Teil preis zu geben. Es ist unerlässlich, das Gesamtbild zu verstehen, alles andere kann zu groben Missverständnissen und auch zum Verlust von Bäumen führen.
Substrat, Wässern und Düngen ist ein Gesamtkomplex, dessen Teile nicht einzeln für sich gesehen werden können. Jeder ist mit dem anderen verbunden und so wird es ziemlich umfangreich. Sei es ein Laubbaum, Nadelbaum, jung, alt, gerade umgetopft, oder sogar gesammelt, es gibt so viele Variablen innerhalb eines Bonsai-Gartens. Gibt es überhaupt ein klare Antwort?
Nun ja, aber man muss sehr sorgfältig lesen, verstehen und dann auch ALLES tun. Es macht keinen Sinn, eine Information zu akzeptieren und die anderen zu ignorieren. So ist es z.B. ganz gefährlich, nach meiner Methode zu düngen, das Substrat und Wässern aber außer acht zu lassen. Es gibt immer wieder Menschen die sich an diesem "absolutistischem Anspruch" stoßen. Tut mir leid, so ist das eben.
Zuerst bitte ich, alles zu vergessen, was in der Bonsailiteratur allgemein über das Thema geschrieben steht. Neue Technologien und Erkenntnisse eröffnen uns effektive Methoden und Produkte, die weit über die Grenzen der Bonsaitradition hinaus gehen. Es ist eine neue Zeit in der Gärtnerei angebrochen, aber viele haben das noch nicht bemerkt. Auch wenn man mit den alten Methoden natürlich ein gewisses Maß an Erfolg erzielen konnte, schafften sie auch große Probleme. Jeder gestandene Bonsaigärtner "weiß", dass richtiges Gießen so ziemlich das Schwierigste im Bonsaileben ist, dass man mit zu viel Gießen Wurzelfäule erzeugt, dass man kaum oder überhaupt nicht chemisch düngen soll, dass man mit Stickstoff äußerst sparsam sein soll, usw.. Nur Probleme, alles von gestern, alles vergessen. Wer alte Methoden mit modernen vermischt, der kann großes Unheil anrichten.
Substrat
Substrat, Wässern und Düngen ist ein Gesamtkomplex, dessen Teile nicht einzeln für sich gesehen werden können. Jeder ist mit dem anderen verbunden und so wird es ziemlich umfangreich. Sei es ein Laubbaum, Nadelbaum, jung, alt, gerade umgetopft, oder sogar gesammelt, es gibt so viele Variablen innerhalb eines Bonsai-Gartens. Gibt es überhaupt ein klare Antwort?
Nun ja, aber man muss sehr sorgfältig lesen, verstehen und dann auch ALLES tun. Es macht keinen Sinn, eine Information zu akzeptieren und die anderen zu ignorieren. So ist es z.B. ganz gefährlich, nach meiner Methode zu düngen, das Substrat und Wässern aber außer acht zu lassen. Es gibt immer wieder Menschen die sich an diesem "absolutistischem Anspruch" stoßen. Tut mir leid, so ist das eben.
Zuerst bitte ich, alles zu vergessen, was in der Bonsailiteratur allgemein über das Thema geschrieben steht. Neue Technologien und Erkenntnisse eröffnen uns effektive Methoden und Produkte, die weit über die Grenzen der Bonsaitradition hinaus gehen. Es ist eine neue Zeit in der Gärtnerei angebrochen, aber viele haben das noch nicht bemerkt. Auch wenn man mit den alten Methoden natürlich ein gewisses Maß an Erfolg erzielen konnte, schafften sie auch große Probleme. Jeder gestandene Bonsaigärtner "weiß", dass richtiges Gießen so ziemlich das Schwierigste im Bonsaileben ist, dass man mit zu viel Gießen Wurzelfäule erzeugt, dass man kaum oder überhaupt nicht chemisch düngen soll, dass man mit Stickstoff äußerst sparsam sein soll, usw.. Nur Probleme, alles von gestern, alles vergessen. Wer alte Methoden mit modernen vermischt, der kann großes Unheil anrichten.
Substrat
Gutes Substrat sollte folgende Eigenschaften haben: etwa gleiche Partikelgröße (ideal ist etwa 4mm), die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen, zu speichern und abzugeben, keine Feinpartikel als Inhalt und auch kein organisches Material, sie dürfen nicht leicht zerfallen, sollten so leicht wie möglich sein, wenn sie trocken sind, vorzugsweise kostengünstig und eine ästhetisch ansprechendes Aussehen ist auch gefragt. Dies wäre dann: Lava, Bims, gebackener Lehm, Blähton, Zeolith, Kokosfasern, Rindenstücke, Styroporstücke (kein Witz) und ein paar mehr, die Sie selbst finden können, wenn Sie das Prinzip verstanden haben. Einige dieser Materialien sind möglicherweise in Ihrer Region nicht verfügbar. Es gibt aber immer Ersatz.
Normales Akadama (das ist ebenfalls modernes Substrat) ist bedenklich, es zerfällt irgend wann unweigerlich, besonders wenn es im Winter Frost ausgesetzt ist. Es kann dann zu tödlichem Lehm in der Schale werden, der verhindert, dass Wasser abfließen kann und Luft an die Wurzeln kommt. Dies gilt vor allem für Bäume, die selten umgetopft werden, also für alle Koniferen und insbesondere für alte, gesammelte Nadelbäume. Für Laubbäume, die alle drei Jahre oder öfter umgetopft werden ist Akadama unbedenklich, auch in unseren Breiten.
Normales Akadama (das ist ebenfalls modernes Substrat) ist bedenklich, es zerfällt irgend wann unweigerlich, besonders wenn es im Winter Frost ausgesetzt ist. Es kann dann zu tödlichem Lehm in der Schale werden, der verhindert, dass Wasser abfließen kann und Luft an die Wurzeln kommt. Dies gilt vor allem für Bäume, die selten umgetopft werden, also für alle Koniferen und insbesondere für alte, gesammelte Nadelbäume. Für Laubbäume, die alle drei Jahre oder öfter umgetopft werden ist Akadama unbedenklich, auch in unseren Breiten.
Folgende Substrate, die früher empfohlen wurden, sind nicht geeignet: jede Art von natürlicher Erde, Gartenerde, Kompost, Steine, Sand etc.. Bäume wachsen natürlich in Erde und Sand aber für die Bonsai-Kultur ist das ganz sicher kein gut geeignetes Pflanzmedium. Das haben viele wissenschaftliche Studien eindeutig ergeben. Baumarten, die Trockenheit vertragen, ja sogar lieben, wie Kiefern, gedeihen auch in Kies. Trotzdem empfehle ich eher moderners Substrat.
Alle Substrate können nach Belieben gemischt werden und es macht fast keinen Unterschied. Sie können auch recycelt und wieder verwendet werden. Aber stellen Sie sicher, dass die recycelten Materialien keine organischen und staubigen Bestandteile enthalten.Man kann altes Substrat ganz einfach in einen Kübel geben, halb voll, Wasser drauf, umrühren, Wasser weg schütten. Das macht man mehrfach und das Substrat ist rein und kann wieder verwendet werden. Es wird zu viel über die "beste" Mischung geschrieben. Es gibt nicht so etwas wie das "ideale Bonsai-Substrat". Es gibt in der Tat tausende von idealen Substraten. Ich glaube, dass es egal ist was Sie verwenden und in welcher Mischung, solange es sich um moderne Substrate handelt
Modernes Substrat ist wasserdurchlässig, es speichert Wasser, aber durch die in etwa gleich großen festen Partikel bilden sich stabile Zwischenräume, durch die das Wasser verlässlich ab rinnt. Es wird immer alles ab rinnen, was zu viel ist, egal wie viel man gießt. Genau diese Drainagefunktion wird durch den Zusatz von Erde zerstört. Erde füllt die Zwischenräume und der Drainageeffekt funktioniert nicht mehr. Übrigens ist einen Drainageschicht nicht mehr notwendig, das gesamte Substrat ist ja Drainageschicht. Es hat sich immer noch zu wenig herumgesprochen, dass die Wurzeln unbedingt immer frische Luftzufuhr benötigen. Nur wenn sie ständig Sauerstoff erhalten, bleiben sie funktionsfähig. Die Wurzeln, die ersticken, sterben ab; danach faulen sie. Der Bonsaigärtner meint, der Baum sei and Wurzelfäule gestorben. Er war aber schon vorher tot und danach sind die Wurzeln verfault, weil sie im Sumpf standen. Egal, durch modernes Substrat wird das verlässlich verhindert. Die Drainageeingenschaft des Substrats erfüllt gleichzeitig die Forderung nach ständiger Luftzufuhr.
Weil moderne Substrate keine Erde enthalten, weisen sie auch nur wenig oder kein Leben auf. Sie trocknen schnell und man muss oft mehrmals am Tag wässern, wenn es heiß ist. Deshalb füge ich groben Torf zusätzlich zu den zuvor genannten Substraten. Dies ist die Art von Torf, die in Hochmooren geerntet wird und in der natürlichen grober Form erhältlich ist. Stellen Sie sicher, nicht zu feine Partikel von Torf zu verwenden, auch wenn er als "staubfrei" beschrieben ist. Falls grober Torf nicht erhältlich ist, können auch kleine Rindenstückchen oder Kokosfasern verwendet werden. Diese organischen Komponenten sollten 15-20% des Gesamtvolumens einnehmen, ein bisschen weniger bei Koniferen, Oliven und anderen Baumarten, die es eher trocken mögen, und ein bisschen mehr mit Laubbäumen, kleinen Bäumen und Azaleen.
Weil moderne Substrate keine Erde enthalten, weisen sie auch nur wenig oder kein Leben auf. Sie trocknen schnell und man muss oft mehrmals am Tag wässern, wenn es heiß ist. Deshalb füge ich groben Torf zusätzlich zu den zuvor genannten Substraten. Dies ist die Art von Torf, die in Hochmooren geerntet wird und in der natürlichen grober Form erhältlich ist. Stellen Sie sicher, nicht zu feine Partikel von Torf zu verwenden, auch wenn er als "staubfrei" beschrieben ist. Falls grober Torf nicht erhältlich ist, können auch kleine Rindenstückchen oder Kokosfasern verwendet werden. Diese organischen Komponenten sollten 15-20% des Gesamtvolumens einnehmen, ein bisschen weniger bei Koniferen, Oliven und anderen Baumarten, die es eher trocken mögen, und ein bisschen mehr mit Laubbäumen, kleinen Bäumen und Azaleen.
In große Bonsaischalen und Anzuchtgefässen für gesammelte Bäume fülle ich meistens reines Substrat ohne Torfzusatz. Kiefern und Wacholder gedeihen meistens besser in reinem Substrat, bei Fichten im allgemeinen und bei Koniferen in kleinen Schalen nehme ich 20% Torfanteil. Auch die Topfpflanzen um mein Haus und Tomaten in Kübeln werden in genau das gleiche Substrat gesetzt.
Diese organischen Materialien sind gut für die Erhaltung der Luftfeuchtigkeit und für die Unterstützung der Ansiedlung von nützlichen Kleinlebewesen im Boden. Es gibt auch Forschungsergebnisse, die aussagen, dass das Torfmoos Pflanzenhormone enthält, die für Bäume günstig wirken. Die genannten Zusatzstoffe sind organische Materialien, die normalerweise in einem Bonsai-Substrat nichts zu suchen haben, die jedoch so etwa fünf Jahre aushalten bevor sie zerfallen und schädlich werden. Das muss man bei der Zeitplanung für das Umtopfen berücksichtigen. Das organische Material sollte auch aus jedem Substrat, das recycelt wird, gesiebt oder gewaschen werden.
Diese organischen Materialien sind gut für die Erhaltung der Luftfeuchtigkeit und für die Unterstützung der Ansiedlung von nützlichen Kleinlebewesen im Boden. Es gibt auch Forschungsergebnisse, die aussagen, dass das Torfmoos Pflanzenhormone enthält, die für Bäume günstig wirken. Die genannten Zusatzstoffe sind organische Materialien, die normalerweise in einem Bonsai-Substrat nichts zu suchen haben, die jedoch so etwa fünf Jahre aushalten bevor sie zerfallen und schädlich werden. Das muss man bei der Zeitplanung für das Umtopfen berücksichtigen. Das organische Material sollte auch aus jedem Substrat, das recycelt wird, gesiebt oder gewaschen werden.
Ich verwende für alle Bäume dasselbe Substrat. Das kann im Laufe des Jahres von der genauen Zusammensetzung variieren, weil ich immer wieder altes Substrat neu verwende und auch mal mehrere verschiedene Substratanteile wahllos mische. Ich kümmere mich überhaupt nicht um die genaue Zusammensetzung sondern achte nur sehr genau darauf, dass nur modernes Substrat ganz ohne Erde verwendet wird.
Wässern
Mit modernem Substrat ist alles hinfällig, was sie bisher über das Wässern wissen. Man kann kaum mehr zu viel gießen, aber durchaus zu wenig. Man muss sich nicht um einzelne Bäume kümmern, sondern es wird der ganze Bestand gleichmäßig durch gegossen. Ich wässere von Ende März bis Mitte Oktober fast täglich. Dies ist unabhängig davon, ob die Bäume zu trocken scheinen oder nicht. Nur wenn es stark regnet verzichte ich auf das Wässern. Wenn es heiß ist, oder starker Wind herrscht, oder gar eine Kombination der beiden, wässere ich zweimal an einem Tag. Sehr kleine Bäume müssen häufiger als zweimal pro Tag bewässert werden. Alle Bäume werden flächendeckend gleich gewässert. Individuelle Bewässerung ist nicht erforderlich, wenn alle Ihre Bäume in modernem Substrat stehen. Es ist auch kein Problem mehr, zu verreisen und einer vertrauenswürdigen Person das Gießen bei zu bringen. Jeder halbwegs vernünftige Mensch lernt das in fünf Minuten. Es muss nur alles gründlich bewässert werden. Es spielt auch keine Rolle, welche Art von Wasser verwendet wird. Wasser mit dem man kocht, das der Hund trinkt, kann immer zum Gießen verwendet werden. Leitungswasser ist sehr geeignet für alle Pflanzen, auch wenn es hartes Wasser ist. Ich habe eines der härtesten Wasser in Europa in meinem Garten (23 ° DH). Trotzdem benutze ich es für alles einschließlich der Azaleen (das muss aber nicht jeder so machen). Ich gieße mit einem Gartenschlauch, mit voller Geschwindigkeit, aber ziemlich fein zerstäubt. Ich gieße nicht einzelnen Bäume, sondern ganze Gartenteile, genau so, wie man einen Blumen- oder Nutzgarten gießt. Mit Regenwasser kann man natürlich auch gießen. Das ist nicht so viel besser als Leitungswasser wie viele meinen. Es ist im Gegenteil so, dass beim Gießen mit Regenwasser deutlich mehr und öfter gedüngt werden muss. Im Leitungswasser sind nämlich sehr viele Mineralstoffe, im Regenwasser ist nichts.
Diese Art der Bewässerung kann man auch aggressiv nennen. Das bedeutet, alles wird sehr nass, der ganzen Baum von oben nach unten. Das Wasser muss über die Erdoberfläche und aus den Abzugslöchern ablaufen. Der Bonsaistandplatz wird pitschnass und es dauert oft Stunden, bis alles verdunstet ist, was wiederum ein gutes Mikroklima erzeugt. Mit modernen Substraten ist Überwässerung fast unmöglich. Viele Bonsai kümmern oder sterben, weil sie in modernem Substrat sitzen und nach den alten Methoden bewässert werden - sie werden deutlich zu wenig gegossen und verdursten fast oder ganz.
Diese Art der Bewässerung kann man auch aggressiv nennen. Das bedeutet, alles wird sehr nass, der ganzen Baum von oben nach unten. Das Wasser muss über die Erdoberfläche und aus den Abzugslöchern ablaufen. Der Bonsaistandplatz wird pitschnass und es dauert oft Stunden, bis alles verdunstet ist, was wiederum ein gutes Mikroklima erzeugt. Mit modernen Substraten ist Überwässerung fast unmöglich. Viele Bonsai kümmern oder sterben, weil sie in modernem Substrat sitzen und nach den alten Methoden bewässert werden - sie werden deutlich zu wenig gegossen und verdursten fast oder ganz.
Düngen
Mit modernem Substrat und aggressiver Wässerung ist Düngung kein Geheimnis mehr. Fast jeder normale Dünger ist brauchbar, egal ob organisch oder mineralisch (chemisch). Dünger für Bonsai muss auf jeden Fall Stickstoff enthalten, ja sogar viel Stickstoff. Nur mit Stickstoff können Pflanzen wachsen. Es ist ein ewiges Missverständnis, dass Bonsai möglichst nicht wachen sollen und deshalb stickstoffarm gehalten werden. Tatsächlich kann man einen Bonsai nur gestalten, wen er gut wächst und man immer wieder etwas weg schneiden kann was nachgewachsen ist. Dazu muss ein Bonsai eher mehr gedüngt werden als andere Pflanzen.
Ich verwende hauptsächlich Flüssigdünger, den ich bei unserem billigsten allgemeinen Diskont-Markt kaufe. Jeder Flüssigdünger, der für normalen Gebrauch in Gartencentern erhältlich ist, kann sehr gut für Bonsai verwendet werden. Darüber hinaus verwende ich den Festdünger, der in Granulatform in Schachteln angeboten wird. Es ist mir egal, ob da Erdbeeren, Blumen oder Tannen aufgemalt sind. Zwei mal im Jahr, Anfang Mai und gegen Ende August, werfe ich eine Handvoll getrockneten Hühnermist auf die Erdoberfläche. Ich kaufe diesen in großen Säcken, die sehr preiswert sind. Für alle meine Bäume, darunter die weltberühmten, verwende ich den gleichen Dünger.
Ich verwende hauptsächlich Flüssigdünger, den ich bei unserem billigsten allgemeinen Diskont-Markt kaufe. Jeder Flüssigdünger, der für normalen Gebrauch in Gartencentern erhältlich ist, kann sehr gut für Bonsai verwendet werden. Darüber hinaus verwende ich den Festdünger, der in Granulatform in Schachteln angeboten wird. Es ist mir egal, ob da Erdbeeren, Blumen oder Tannen aufgemalt sind. Zwei mal im Jahr, Anfang Mai und gegen Ende August, werfe ich eine Handvoll getrockneten Hühnermist auf die Erdoberfläche. Ich kaufe diesen in großen Säcken, die sehr preiswert sind. Für alle meine Bäume, darunter die weltberühmten, verwende ich den gleichen Dünger.
Früher dachte man viel darüber nach, was welcher Baum zu welcher Jahreszeit benötigt. Allerdings weiß das der Baum besser und er nimmt sich das aus dem Angebot, was er benötigt. Wenn aggressive gedüngt wird, dann wird er rasch wird ausgewaschen und es kann sich kein Salz im Boden anreichern. Es hat sich herausgestellt, das man sie die sog. "Herbstdüngung" sparen kann. Es ist in Ordnung, mit demselben Dünger im Sommer und Herbst zu arbeiten.
Wie viel? VIEL MEHR ALS SIE DENKEN! Ich dünge 20 bis 60 Mal mehr als der durchschnittliche Bonsaihalter. Von Anfang April bis Mitte Oktober wird alle zehn Tage mit der Gießkanne in normales Wasser aufgelöster Flüssigdünger zugeführt, mit drei bis vier mal der empfohlenen Dosis. Alle Bäume werden gleich, gedüngt, ob Laub-, Nadel-, klein, groß, gerade umgetopft, gesammelt oder nicht. Die Bäume werden also in der aktiven Vegetationsperiode, die bei mir etwa 200 Tage beträgt, voll gedüngt. Ich gieße bei größeren Bäumen hauptsächlich auf die Erdoberfläche, bei kleineren über den ganzen Baum hinweg. Das ist nicht schädlich, solange man das nicht bei strahlendem Sonnenschein macht. Im Winter kann man auch ein wenig düngen. Das macht dann etwa 60 Düngeeinheiten in der Vegetationsperiode. Wenn man dann noch die Hühnermistgaben zweimal pro Jahr hinzu fügt, dann kann man verstehen, warum ich behaupte, 20 bis 60 Mal mehr als der Durchschnitt zu düngen. Der durchschnittliche Bonsaihalter düngt vielleicht drei bis fünfmal im Jahr mit der Hälfte der normalen Dosis, weil "Bonsai nicht wachsen sollen".
Wie viel? VIEL MEHR ALS SIE DENKEN! Ich dünge 20 bis 60 Mal mehr als der durchschnittliche Bonsaihalter. Von Anfang April bis Mitte Oktober wird alle zehn Tage mit der Gießkanne in normales Wasser aufgelöster Flüssigdünger zugeführt, mit drei bis vier mal der empfohlenen Dosis. Alle Bäume werden gleich, gedüngt, ob Laub-, Nadel-, klein, groß, gerade umgetopft, gesammelt oder nicht. Die Bäume werden also in der aktiven Vegetationsperiode, die bei mir etwa 200 Tage beträgt, voll gedüngt. Ich gieße bei größeren Bäumen hauptsächlich auf die Erdoberfläche, bei kleineren über den ganzen Baum hinweg. Das ist nicht schädlich, solange man das nicht bei strahlendem Sonnenschein macht. Im Winter kann man auch ein wenig düngen. Das macht dann etwa 60 Düngeeinheiten in der Vegetationsperiode. Wenn man dann noch die Hühnermistgaben zweimal pro Jahr hinzu fügt, dann kann man verstehen, warum ich behaupte, 20 bis 60 Mal mehr als der Durchschnitt zu düngen. Der durchschnittliche Bonsaihalter düngt vielleicht drei bis fünfmal im Jahr mit der Hälfte der normalen Dosis, weil "Bonsai nicht wachsen sollen".
Nun meinen natürlich die meisten, dass das was ich mache, zu viel ist und sich da auch Nachteile ergeben müssen. Zu viel ist es nicht, davon kann sich jeder jederzeit in meinem Garten ein Bild machen. Viele anerkannte Diplom-Gärtner und Bonsaigärtner haben sich schon sehr lobend über den Gesundheitszustand meiner Bäume ausgelassen.
Ich dünge so alle sieben bis zehn Tage mit der Gießkanne voll Wasser in das ich den Flüssigdünger schütte. Das funktioniert sehr gut, aber es gibt auch andere Methoden. Vielleicht wäre es noch besser, jeden Tag bei jedem Gießgang ein klein wenig zu düngen. Das ist bei mir nicht praktikabel, weil es ja oft wochenlang regnet und ich dann gar nicht gieße und weil ich bei 1.000 Bäumen mit der Gießkanne etwa 90 Minuten hart arbeiten muss, mit dem Gartenschlauch aber in 30 Minuten ohne Anstrengung durch bin. Wer also täglich oder fast täglich düngen will, der kann das gerne tun. Allerdings muss die Düngermenge dann natürlich entsprechend reduziert werden. Ein Freund gießt jeden Tag mit Wasser direkt aus dem großen Koiteich mit besten Erfolgen.
Asiatische Düngekuchen funktionieren, sind aber in unserer Kultur überflüssig .Wir essen nicht Steak mit Stäbchen und müssen auch Pflanzen nicht mit Kuchen düngen. Aber sie richten keinen Schaden an, wenn Sie darauf bestehen; sie sind nur hässlich und riechen meist und die Vögel und Hunde tragen sie fort. Biogold ist sehr gut, nur auch sehr teuer. Es kann mit modernen
Asiatische Düngekuchen funktionieren, sind aber in unserer Kultur überflüssig .Wir essen nicht Steak mit Stäbchen und müssen auch Pflanzen nicht mit Kuchen düngen. Aber sie richten keinen Schaden an, wenn Sie darauf bestehen; sie sind nur hässlich und riechen meist und die Vögel und Hunde tragen sie fort. Biogold ist sehr gut, nur auch sehr teuer. Es kann mit modernen
Substraten wie Akadama eingesetzt werden, und es funktioniert hervorragend. Wenn man es mir schenkt, dann zerbreche ich es in sehr kleine Teilchen, die ich dann über die Substratoberfläche streue. Nach einem Gießvorgang wird das Biogold dann unsichtbar..
Mineralische, also chemische Dünger sind im wesentlichen Salze. Es wird deshalb immer davor gewarnt, weil sich damit Salz in der Erde anreichern kann und dadurch die Erde schlecht bis giftig machen kann. Zu viel Salz im Substrat ist fast unmöglich, wenn man jeden Tag aggressiv wässert. Bei jedem Wasserdurchlauf wird das überschüssige Salz weg gewaschen. Genau deshalb muss man aber auch so viel mehr düngen! Auch Azaleen haben nichts gegen meine Behandlung. Sie gedeihen sehr gut mit sehr hartem Wasser, gebackenem Lehm und Torf als Substrat und aggressiver Düngung wie der ganze Rest der Bäume.
Mineralische, also chemische Dünger sind im wesentlichen Salze. Es wird deshalb immer davor gewarnt, weil sich damit Salz in der Erde anreichern kann und dadurch die Erde schlecht bis giftig machen kann. Zu viel Salz im Substrat ist fast unmöglich, wenn man jeden Tag aggressiv wässert. Bei jedem Wasserdurchlauf wird das überschüssige Salz weg gewaschen. Genau deshalb muss man aber auch so viel mehr düngen! Auch Azaleen haben nichts gegen meine Behandlung. Sie gedeihen sehr gut mit sehr hartem Wasser, gebackenem Lehm und Torf als Substrat und aggressiver Düngung wie der ganze Rest der Bäume.
Vor etwa fünfzehn Jahren war "Super-Düngung" ein Begriff um den es dann rasch wieder still wurde. Die erwarteten Ergebnisse haben sich nur teilweise eingestellt und viele Bäume litten und starben sogar. Was ich empfehle, klingt ähnlich. Nun, es ist ähnlich, nur dass ich auf aggressive Wässerung bestehe parallel zu aggressiver Düngung und den Einsatz moderner Substrate. Einfach nur aggressiv zu düngen ohne das andere zu berücksichtigen kann sehr gefährlich sein.
Man kann das Düngen zu einer Wissenschaft machen und alles akribisch nach Vorschrift und mit Aufzeichnungen und Geräten und viel Aufwand machen. Nun ja, man kann auch das Essen zur Wissenschaft machen. Aber trotzdem genießen es die meisten völlig ohne wissenschaftliche Tabellen und vielerlei Geräten. Es kommt ja nicht darauf an, dass die Bäume unbedingt so stark wachsen, wie es überhaupt möglich ist. Wenn sie bloß besser wachsen als früher, reicht es doch.
Die aggressive Düngung ist richtig für alle Bonsai die sich "in Entwicklung" befinden. Bei mir sind 99% aller Bonsai "in Entwicklung". Wenn Sie welche haben, die sich absolut nicht mehr verändern sollen, dann nehmen sie die Düngung zurück. Sie lassen den Baum dann absichtlich hungern. Dann wird er immer weniger wachsen, Blätter und Nadeln werden kleiner. Das ist gut für Ausstellungen, aber mit Ihrem Baum wird es bergab gehen, wenn Sie das zu lange weiterhin tun. Nach ein paar Jahren muss dann dieser Baum wieder aggressiv gedüngt werden, damit er sich erholen und neu aufgebaut werden kann.
Zusammenfassung
Alle drei Komponenten müssen voll berücksichtigt werden. Leider haben Sie da keine Wahl. Wer sich aus den Vorschlägen einen herauspickt und ansonsten alles so macht wie früher, der wird Schiffbruch erleiden. Wer aggressiv düngt mit viel chemischem Dünger, aber Erde in der Schale hat, der bringt seine Bäume um. Wer modernes Substrat verwendet und folglich täglich gießen muss, aber düngt wie früher, dem verhungern die Bonsai.
Also Zurück zur Eingangsfrage "Wie düngt man Nadelbäume?" Genau so wie alle anderen Bäume. Man muss aber die ganze Geschichte kennen."
Nachtrag und Verfeinerung
Nach mehr als zehn Jahren eigenen Erfahrungen mit der Methode kann als gesichert gelten, dass sie gut funktioniert und hervorragende Ergebnisse erzielt. Das wurde auch von tausenden Bonsaigärtnern in der ganzen Welt bestätigt, die sich angeschlossen haben. Aus vielen Ländern wird von Gärtnern berichtet, die unabhängig von meinen Ausführungen auf dieselben oder sehr ähnlichen Ergebnisse gestoßen sind, einfach durch Anwendung der modernen Gartenbaumethoden in der Bonsaihaltung. Ich habe nie behauptet, das alles selber erfunden zu haben. Ich habe bloß inzwischen in der Gärtnerei alltägliche Methoden für Bonsai angewendet und das bekannt gemacht.
Nach mehr als zehn Jahren eigenen Erfahrungen mit der Methode kann als gesichert gelten, dass sie gut funktioniert und hervorragende Ergebnisse erzielt. Das wurde auch von tausenden Bonsaigärtnern in der ganzen Welt bestätigt, die sich angeschlossen haben. Aus vielen Ländern wird von Gärtnern berichtet, die unabhängig von meinen Ausführungen auf dieselben oder sehr ähnlichen Ergebnisse gestoßen sind, einfach durch Anwendung der modernen Gartenbaumethoden in der Bonsaihaltung. Ich habe nie behauptet, das alles selber erfunden zu haben. Ich habe bloß inzwischen in der Gärtnerei alltägliche Methoden für Bonsai angewendet und das bekannt gemacht.
Trotzdem ergeben sich immer wieder kleinere und auch größere Probleme. Meistens sind es solche, die mit fehlerhafter Anwendung zu tun haben. Wer über Jahre, ja Jahrzehnte mit Bonsaierde gearbeitet hat, der wird dazu neigen, ins moderne Substrat wenigstens ein wenig Erde hinein zu schmuggeln. Das kann fatale Auswirkungen haben. Dann wird natürlich die gesamte Methode und nicht der eigene Fehler verantwortlich gemacht. Wer über sehr lange Zeit gelernt hat, dass das richtige Gießen das Wichtigste und Schwierigste ist, was man zu lernen hat, der wird grobe Fehler machen. Er wird einfach nicht akzeptieren, dass man mit modernem Substrat fast nicht übergießen, aber sehr wohl untergießen kann. Er wird dazu neigen, zu wenig zu gießen, weil man ja "weiß" dass die meisten Fehler beim Übergießen gemacht werden. Es will einfach nicht in die Köpfe hinein, dass man da nicht mehr viel denken muss. Einfach gießen, im Zweifelsfall mehr als man denkt! Aber das kann ja gar nicht sein! Also wird modernes Substrat verwendet und die Bäume viel zu wenig gegossen und gedüngt. Als Ergebnis verkümmern sie.
Immer wieder bekomme ich Hinweise, dass jemand mit dem modernen Substrat nicht zurecht kommt. "Ich habe keinen sicheren Hinweis über das Austrocknen des Substrates mehr, ich weiß nicht mehr, wann ich gießen soll!" Nun, wer über viele Jahre immer dann gegossen hat, wenn die Oberflächen des Schaleninhalts (Erde oder Substrat) trocken erscheinen, der wird in der Tat Schwierigkeit haben. Moderne Substrate trocknen nämlich an der Oberfläche oft sehr rasch aus. Der Unerfahrene meint dann, es ist wieder höchste Zeit zu Gießen. Er "weiß" aber auch, dass es "falsch" ist, zu viel zu gießen. Also ist er hin und her gerissen. Oft wird wieder zu der gewohnten Bonsaierde zurückgekehrt. Da "weiß" man nämlich, was man zu tun hat. Tatsächlich ist es viel einfacher: Die Austrocknung der Substratoberfläche ist kein schlüssiger Hinwies darauf, ob gegossen werden soll. Der Bonsaigärtner muss lernen, andere Hinweise zu erkennen. Es ist eigentlich noch einfacher: man gießt jeden Tag reichlich, egal ob die Oberfläche trocken scheint oder nicht. Falls trotzdem während des Tages gewisse "Zeigerbäume" die Blätter etwas hängen lassen, gießt man eben zwei mal. Zeigerbäume sind solche, die stets als erste Durst haben. Das sind z.b. Fächerahorn, Linde, viele Straucharten. Es sind auch Unkräuter, die sich in Bonsaischalen niedergelassen haben. Lange bevor der Baum die Blätter hängen lässt, hängen einige Unkräuter. Aber tatsächlich ist das nur wichtig um festzustellen, dass man zusätzlich zur täglichen Gießroutine noch einmal gießen muss.
Leider geschieht es auch bei diesen modernen Methoden immer wieder, dass ein Baum wegen Überwässerung leidet oder gar eingeht. Es stellt sich dann immer heraus, dass er nicht wirklich in modernem Substrat saß. Manchmal ist es nur an der Oberfläche gestreut und darunter ist Erde. Oft ist der innere Wurzelballen voll mit Erde und steckt in einer Schale wo sich außen herum Substrat befindet. Das kann gut gehen, muss aber nicht. Der Baum gehört so rasch wie möglich umgetopft und die Erde mit Substrat ersetzt. Leider ist es mir passiert, dass Neuzugänge mit bösen Folgen arglos so wie alles andere gegossen wurden, weil ich fest davon ausging, dass sie voll in modernem Substrat saßen. Inzwischen habe ich eine Ecke in der alles steht, was fragwürdig ist oder eindeutig in Erde steht und auf das Umtopfen wartet. Diese Ecke wird so vorsichtig gegossen und gedüngt, wie es unter diesen Umständen angebracht ist.
Obwohl deutlich so geschrieben, haben einige nicht verstanden, dass das tägliche Gießen nur in der aktiven Vegetationsperiode gilt. Das ist in meinem Klima im Außenbereich von Anfang April bis Anfang Oktober.. Im Glashaus ist das von Ende Februar bis zur Leerung des Glashauses. Es gibt immer wieder Bonsaigärtner, die dann im Winter jeden Tag weiter gießen und oft fragen, was zu tun ist, wenn die Bäume gefroren sind. Natürlich wird nicht jeden Tag gegossenen, wenn die Bäume den Winterschlaf angetreten haben. Es wird außen je nach Bedarf gegossen. Das heißt in meinem Klima, dass ich in machen Jahren den ganzen Winter lang überhaupt nicht gieße, weil es immer wieder regnet oder schneit. Meistens wird das bei anderen aber nicht der Fall sein. Man muss eben gießen, wenn die Bäume zu trocken werden. Das kann dann schon zweimal die Woche sein. Im Glashaus wird ohnehin alle paar Tage auch im Winter gegossen. Gefrorene Bäume werden nicht gegossen. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Krone austrocknet, wenn sie der Sonne und dem Wind ausgesetzt ist während der Wurzelballen fest gefroren ist. Deshalb ist ein Standort zu wählen, der möglichst vollen Sonnen- und Windschutz bietet. Die Kronen sollten immer wieder besprüht werden, insbesondere die von Nadelbäumen.
Was bisher besprochen wurde, sind Ungereimtheiten, die entstanden sind, weil einzelne Gärtner die Methode nicht in vollem Umfang verstanden haben oder verstehen wollten. Es wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass das sehr gefährlich ist. Entweder man wendet die Methode voll, in allen Teilen an, oder man lässt es ganz.
Trotzdem haben sich über die Jahre einige Zweifel beim Verfasser eingeschlichen. Es wurde festgestellt, dass es den allermeisten Bäumen nach Einführung der Methode besser ging als vorher. Nur einige Arten zeigten arge Mangelerscheinungen und einige, die vorher ganz munter waren, waren sogar dem Tod geweiht. Es handelt sich dabei insbesondere um fünfnadelige Kiefern (Pinus pentaphylla, Pinus cembra) und den gemeinen Wacholder (Juniperus communis). Diese Arten zeigen immer wieder gelbliche bis stark gelbe Nadeln. Das ist ganz bedenklich, wenn es sich um diesjährige Nadeln handelt. Prompt sterben erschreckend viele Äste und leider auch ganze Bäume in Folge ab. Es ist bekannt, dass sehr viele Gärtner weder den gemeinen Wacholder noch die Mädchenkiefer (und auch die Zirbelkiefer) über länger Zeiträume als Bonsai halten können. Der Verfasser ist da keine Ausnahme. Es gibt aber immer wieder Gärtner, die keinerlei Probleme mit diesen Arten haben, jedoch auch nach intensiver Nachfrage nicht erklären könne, was sie anders oder besser machen.
Ein weiteres Phänomen, das nicht nur in meinem Garten aufgetaucht ist, ist, dass deutliche Mangelerscheinungen an Laubbäumen auftauchten: dunkelgrüne Blattadern deutlich sichtbare Farb- und auch Formänderungen im Blatt. Diese Erscheinungen sind zwar nicht tödlich, aber doch sehr beunruhigend. Es kann doch nicht sein, dass Bäume, die um Längen besser gedüngt werden als alle anderen, Mangelerscheinungen haben! Doch, es kann!
Nach langem Nachdenken über die Zusammenhänge kam ich zum Schluss, dass die Mangelerscheinungen gerade wegen der starken Düngung auftauchten. Das Gesetz des Minimums macht an meinen Gartengrenzen nicht halt.
Wikipedia: "Das Minimumgesetz (von lateinisch Minimum, „das Geringste“, von Carl Sprengel 1828 veröffentlicht, von Justus von Liebig in erweiterter Form popularisiert) besagt, dass das Wachstum von Pflanzen durch die im Verhältnis knappste Ressource (Nährstoffe, Wasser, Licht etc.) eingeschränkt wird. Diese Ressource wird auch als Minimumfaktor bezeichnet. Bei Vorliegen eines solchen Mangelfaktors hat es keinen Einfluss auf das Wachstum, wenn eine Ressource hinzu gegeben wird, die bereits im benötigten Umfang vorhanden ist. Das Minimumgesetz ist u.a. eine wichtige Grundlage bei der Düngung."
Von Ende März bis Mitte Oktober wird bei mir gedüngt. Anfangs mineralisch und ab Mitte Mai organisch (mit Hühnermist, Fledermausguano, Runderdung und ähnlichem - mit allem was stinkt), organisch einmal kräftig Anfang Mai und wieder gegen Ende August; dazwischen und bis Mitte Oktober mineralisch. So war das bisher. Die Düngergaben waren mehr als dreimal so hoch wie auf den Packungen angegeben. Die Bäume haben es mir gedankt mit sagenhaft kräftigem und gesundem Wuchs. Nur die fünfnadeligen Kiefern und der gemeine Wacholder litten sichtlich. Wegen des Erfolges habe ich dann die Düngergaben gesteigert. Die Bäume wuchsen noch besser. Leichte Mangelerscheinungen wurden erst einmal mit einem Achselzucken hingenommen. Ich habe dann eine dritte Periode der organischen Düngung gegen Mitte Juli eingeführt. Die mineralischen Gaben wurden leicht gesteigert. Dann entstanden plötzlich deutliche Mangelerscheinungen.
Mein Fazit: Neben den allseits bekannten und in jedem handelsüblichen Dünger vorhandenen Stoffen benötigen Bäume zusätzlich in meist geringen Mengen besondere, seltene Stoffe. Das Fehlen dieser Stoffe fällt um so mehr auf, je mehr mit den herkömmlichen Stoffen gedüngt wird. Es fiel mir auf, dass die fünfnadeligen Kiefern und die Wacholder besonders nach kräftiger organischer Düngung gelb wurden. Das schien mir paradox, weil ja gerade die organische Düngung so gut anschlug - im Allgemeinen. Genau das ist es: die organische Düngung mit besonders viel Stickstoff regt die Bäume zu besonders starkem Wachstum an. Das geht aber nur, wenn ALLE benötigten Stoffe vorhanden sind, auch die Spurenelemente. Einige davon sind aber im organischen Dünger nicht, oder nicht in genügender Menge vorhanden. Dann entstehen eben Mangelerscheinungen. Und was ist mit den Gärtnern, die keinen Problem haben? Die haben eben zufällig, z.B. im Gießwasser, die benötigten Spurenelemente. Und was ist mit den mineralischen Düngern? Die haben die ganz seltenen Spurenelemente auch oft nicht oder nicht in den erforderlichen Mengen. Die haben die in den Mengen, die für die Stickstoffgabe des Mineraldüngers ausreichend sind. Aber sie haben sie nicht für die kräftige organische Düngung in ausreichendem Maß.
Wahrscheinliche Ursache erkannt! Was tun? Eine Möglichkeit wäre es, einfach mit der kräftigen Düngung zurück zu fahren. Das würde sicherlich nützen. Aber ich will ja gerade das kräftige, gesunde Wachstum. Also ging ich auf die Suche nach Spezialdüngern für Mangelerscheinungen. Da fiel mir das Angebot einer italienischen Firma an organischen Düngern sowie insbesondere an Spezialdüngern für Mangelerscheinungen auf. Ich konnte den deutschen Vertreter davon überzeugen, mir eine Batterie der Spezialdünger für Versuchszwecke zur Verfügung zu stellen. Also erhielt so ein Dutzend Literflaschen, voll mit jeweils einem allgemeinen Dünger, der mit besonderen Stoffen angereichert war:Bor, Eisen, Kalium, Kupfer, Magnesium, allgemeine Mikroelemente besondere Stickstoff, Auxym, Enzym, was weiß ich und noch einiges mehr.
Toll! Aber was nun? Es gibt jede Mengen Literatur über Mangelerscheinungen, deren Auswirkung , Aussehen usw.. Aber das ist alles äußerst kompliziert und bezieht sich fast immer auf irgendwelche Gemüsesorten. Wenn trotzdem eine Mangelerscheinung an einem bestimmten Baum deutlich festgestellt wurde, was war nun die geeignete Methode? Eindeutig konnte Eisenmangel an fünfnadeligen Kiefern und Azaleen festgestellt werden. Bei Azaleen wird das auch in der Literatur oft erwähnt. Gut, also zusätzlich zu dem Spezialdünger auch Eisenpulver gekauft. Das ist ganz billig. Aber welche Menge und wie oft? Fragen über Fragen!
Für einen brauchbaren Test benötigt man sehr viel Vergleichsmaterial. Als Beispiel tausend gleich alte, gleich große Eichen aus genetisch identischem Material, also Stecklinge, in gleich großen Gefäßen mit demselben Substrat. Dann noch einmal tausend, bei denen ein Faktor bei der Düngung geändert wird. Dann noch einmal viele tausend mit jeweils einem Faktor, der anders ist. Dann dasselbe mit allen anderen gängigen Baumarten und -sorten. Also mehrere hunderttausend Bäume! Dann werden tausend als Vergleichsgruppe ein ganzes Jahr mit der normalen Methode gedüngt und tausend mit dem Spezialdünger. Dasselbe dann mit allen zwölf Spezialdüngern. Am Ende des Jahres hat man einen Hinweis, ob der Spezialdünger hilfreich ist und welcher es ist. Das aber nur für eine Baumart. Wenn man das zu Ende denkt, kommt man zu dem Schluss, dass das unmöglich ist - nicht nur für einen kleinen Bonsaigärtner,
Selbst wenn ich von einer Art zweihundert Bäume habe, dann ist ein saubere Test unmöglich. Die Bäume sind nicht gleich groß, nicht gleich alt, sehen in verschiedenem Substrat, haben verschiedene Herkünfte, also deutlich unterschiedliche Gene. Also ist ein Test sinnlos. Da kann man gleich irgend was hin schütten, ein Kreuz machen, sich dreimal umdrehen und hoffen.
Beim allgemeinen Dünger besteht ein ähnliches Problem, wenn man einen ganz bunt gemischten Garten hat und nun jeweils 'richtigen' Dünger für einen speziellen Baum benutzen will. Was ist 'richtig' und wie viel davon?
Als einfacher ungelernter Gärtner bin ich da völlig überfordert. Aber irgend etwas muss geschehen! Ich gehe davon aus, dass Chemiker die einen bestimmten Dünger für Mangelerscheinungen herstellen, ihn auch vernünftig getestet haben, bevor er auf den Markt kommt. Also was soll ICH da noch testen? Aber die Frage bleibt, was, wo wie viel und wie oft ich benutzen sollte. Mittlerweile zeigten mehr Bäume Mangelerscheinungen.
Als praktischer Mensch aus den Bergen fiel mir dann das 'große Buffet' ein:
Man denke sich einen Vater, der eine sehr eigenwillige Tochter mit Beziehungen in der ganzen Welt hat. Sie, als Mitteleuropäerin, will einen Chinesen heiraten und zum Hochzeitsfest die ganze Bekanntschaft einladen. Das sind dann Chinesen, Japaner, Südamerikaner, Nordamerikaner, Vegetarier, Juden, Christen Moslems, Fleischesser, Reisesser, Nudelesser und was sonst, jedenfalls einige hundert. Der Vater hat den Auftrag, das Hochzeitmenü zu erstellen - ein völlig unmögliches Unterfangen. Selbst wenn er jedem, der kommen will, einen langen Fragebogen zuschickt, den der auch noch ausfüllt, wird er mit Sicherheit vielen das Falsche servieren. Was macht der arme Vater? Er bestellt ein gigantisches Buffet. Alles, was man so essen kann ist da, warm und kalt, alles was man so trinken kann. Am großen Tag kommen sie alle und danach schwärmen sie vom tollen Hochzeitsschmaus. Jeder weiß genau, was er will, dank des reichlichen Angebots findet er es auch. Was übrig bleibt, isst die Familie in den kommenden drei Monaten.
Schönes Gleichnis. Für meine Bäume sah das dann so aus: ich goss in etwa dieselbe Menge aus jeder Flasche in einen großen Behälter. Dazu gab ich reichlich Eisenpulver und noch obendrein Magnesium, kräftige umgerührt und fertig. Etwas Krötenschleim, drei Kreuze, dreimal um die eigene Achse gedreht, undeutliche Beschwörungsformeln gemurmelt. Dann wurden jeweils drei Messbecher eines normalen Flüssigdüngers in eine Gießkanne mit zehn Liter Wasser gekippt plus ein Messbecher von dem Zaubergebräu. Alle Bäume im Garten wurden nun damit gegossen. Vor dem Düngen wurde der gesamte Garten mit Leitungswasser gegossen, damit alles schön feucht war. Dann, am nächsten Tag wurde wieder wie immer kräftig gegossen, so dass alles pitschnass war. Das Wasser floss aus den Drainagelöchern. Das erfolgte nun alle zehn Tage, den ganzen Sommer lang. Dreimal im Sommer erfolgte parallel kräftige organische Düngung. Ganz wichtig ist, dass immer kräftig gegossen wird. Der Dünger kann sich so nicht im Substrat in gefährlichen und giftigen Mengen anreichern. Was der Baum nicht nimmt, wird einfach ausgewaschen.
Nach zwei Monaten: Die fünfnadeligen Kiefern wurden wieder grün, die Mangelerscheinungen an den alten Blättern der Laubbäume blieben, aber der Neuaustrieb war wieder völlig gesund und kräftig. Keine Vergiftungserscheinungen bei irgend welchen Bäumen während des gesamten Sommers.
Nach einem Sommer kann sich sagen, dass diese Methode eindeutig hilft. Man kann kräftig düngen und Mangelerscheinungen bleiben weithin aus. Ein großer Vorteil ist, dass man einfach alles querbeet düngen und wässern kann, ohne sich um einzelne Bäume wirklich zu kümmern. Die, die es brauchen nehmen sich schon das geeignete.
Ich weiß, dass das alles für einige zu viel ist.. "Wer heilt hat Recht", heißt ein Sprichwort in der Humanmedizin. Im Garten heißt das "derjenige, der die gesündesten Bäume auf lange Sicht hat, hat recht". Besuchen sie mich und überzeugen Sie sich selbst. Alle hier gezeigten Bäume aus meiner Sammlung werden seit vielen Jahren genau so behandelt wie hier beschrieben.
Chinesischer Wacholder, Juniperus chinensis, 70 cm, ca 50 Jahre, Schale: China, aus Baumschulpflanze
Europäische Buche, Fagus sylvatica, 55 cm, ca 50 Jahre, Schale: Derek Aspinall, gesammelt in Deutschland
Eine Waldkiefer kann nicht gesünder sein. Viel zu viele Austriebe: da sind die Probleme, die man gerne hat.
Fächerahorn, Acer palmatum, 60 cm, ca. 40 jahre, Schale: Derek Aspinall, aus Baumschulpflanze
Bergkiefer, Pinus mugo, 65 cm, über 100 Jahre, Schale: China, gesammelt in der Schweiz
So sehen gesunde Laubbäume aus. Es muss viel wachsen, damit man viel weg schneiden kann.
Fächerahorn, Acer palmatum, 50 cm, ca 70 Jahre, Schale: Petra Tomlinson, Rohling Import aus Japan
Waldkiefer, Pinus sylvestris, 75 cm, ca 70 Jahre, Schale: China, gesammelt in Deutschland
Dreispitzahorn, Acer burgerianum, 55 cm, Schale: Horst Heinzlreiter, Rohling Import aus Japan
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